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Zwerg-Orloff haben Kämpfercharakter !

Nachdem Prof. Zürn aus Leipzig 1884 die ersten Orloff aus Moskau importierte, wurde die Rasse in Deutschland kurzfristig sesshaft. Es gelang ihm nicht, sie längerfristig ansässig zu machen und zu verbreiten, denn sie verschwand nach kurzer Zeit wieder, sodass es um die Jahrhundertwende keine Zuchten mehr gab. Es nutzte dabei auch nichts, dass der bekannte Fachschriftsteller und Geflügelpreisrichter "Marten" immer und bei jeder Gelegenheit für sie warb. Denn er war es, der sie zuerst bei einer Ausstellung in Moskau gesehen hatte, die er 1881 besuchte. Er war begeistert von dem großen, bärtigen, malaienhaften und wild aussehenden Huhn.

Erst nachdem Dr. Ranft aus Oberhelmsdorf bei Dresden 1910 wieder einen neuen Import aus Russland organisierte, gelang der Durchbruch in Deutschland. 1912 wurde ein Sonderverein gegründet, dessen Vorsitz Dr. Ranft übernahm. Ab dieser Zeit ging es mit der Rasse steil aufwärts, trotz Krieg, da die Züchter Bruteier und Zuchttiere laufend anboten und viel Werbung in den Fachblättern für diese Rasse machten.

1919 gab Dr. Ranft an einen aktiven Mitstreiter, Rudolf Barth aus Schmölln in Sachsen, sein Amt als Vorsitzender ab. Barth war es, der schon Anfang der 20er Jahre mit der Verzwergung der Orloff begann, wobei er nicht so recht voran kommen wollte, da er zu wenig Mitzüchter um sich scharte. Auch war zu dieser Zeit die Nachfrage nach Zwergen nicht so groß wie später nach dem 2. Weltkrieg. Darüber hinaus waren die Zuchten von vor dem 2. Weltkrieg nach dessen Ende verschwunden. Nach Wandelts "Handbuch der Zwerghühnerrassen", 1998, soll es noch einen einzigen Hahn gegeben haben, mit dem Otto Squarr 1947 die Zucht wieder aufnahm und mit verschiedenen Rassen kreuzte.

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Im Osten Deutschlands war es wiederum Rudolf Barth, der mit der Verzwergung begann, und man kann nur staunen, was in 50 Jahren geschaffen worden ist. Barth war es auch, der häufig in den verschiedenen Zeitschriften Zuchthinweise gab, sodass die Züchter bei der doch etwas schwierigen Zuchtarbeit unter stützt wurden. Man scha es, sie in der Form und im Kopf zu einem Zwerg der Zukunft zu veredeln. Im Jahre 1961 riet Barth in einem Beitrag, man solle keinesfalls andere Rassen einkreuzen, sondern den Weg über zahlreiche Nachzuchten und rassegerechte Selektion gehen. Denn nur durch Festigung der Merkmale könnte man dauerhaft eine Rasse schaffen. Laufende Einkreuzungen bringen ab einem gewissen Zeitpunkt nichts mehr - sie bringen nur Unruhe.

Die Zwerg-Orloff stellen eigentlich eine gelungene züchterische Verbindung von kämpferischer Robustheit und dennoch recht zahmen und anhänglichen Wesen zu ihrem Besitzer dar, was dieser Rasse sehr zum Vorteil reicht. Auf Schauen werden sie hin und wieder mit dem Urteil: viel zu groß, abgewertet, wobei man bei diesem Urteil immer die Großrasse im Vergleich sehen sollte. Allgemein gilt die Faustregel für verzwergte Rassen: ein Drittel der Großrasse. Deswegen wurden auch die Gewichte von 1000 Gramm beim Hahn auf 1200 Gramm erhöht und bei der Henne von 800 auf 1000 Gramm, was diesem Zwerg gut getan hat, denn zu kleine Tiere zeigten oft nicht den edlen Orlofftyp.

Der etwas kräftig wirkende, aufrecht getragene Rumpf, der recht lang wirkende Hals und die mittellangen und gut hervortretenden Schenkel sowie die mittellangen Läufe formen als Einheit den Typ. Der Hahn trägt die Ringgröße 15, die Henne 13. Keinesfalls sollte die Brust nach vorn ausladen oder vorgewölbt sein, viel mehr muss sie breit sein. Bei gestrecktem Hals sollte man vom Kopf über die Brust bis zur ersten Zehe eine Linie ziehen können.

Aus der etwas gestreckten Körperform mit ihrer mittellangen und ' besonders beim Hohn - mehr abfallenden Rückenlinie ragt etwas der Flügelbug heraus, welcher an das Kämpferwesen erinnert. Ansonsten sollte der Flügel nicht zu lang sein und recht anliegend getragen werden und keinesfalls auf dem Sattel aufliegen wie es beim Malaien der Fall ist. Der nicht zu lange Flügel ist auch gut zu erreichen, da ja die Schwanzfedern verhältnis mäßig kurz, aber mit möglichst voller Eindeckung gewünscht werden, was auch auf den Sattel zutrifft, der recht breit und dicht befiedert sein sollte.

Körperform und Farben

Eigentlich erinnert nur noch der Kopf mit dem recht breit gewünschten Schädel und den über stehenden Augenbrauen an einen Kämpfer. Der Zuchtschwerpunkt bei den Zwergen liegt auf einem etwas kurzen, aber breit wirkenden Kopf. Früher nannte man den Kamm kleinen Wulst bzw. Himbeerkamm, heute sieht der Standard unter Kamm die Bezeichnung Wulstkamm mit Vertiefungen (zum Teil mit Federborsten besetzt) von Er sitzt fest auf dem Schädel auf. Das bedeutet auch, dass er nicht zu groß sein sollte. Deswegen ist der Kamm bei der Henne auch kaum entwickelt, teilweise mit Federborsten besetzt, oft mehr als beim Hahn.

Zum Kopf und Kamm wird ein nicht zu langer, möglichst kurzer, kräftiger und ein wenig gebogener Schnabel gewünscht. Das Auge sollte recht groß und lebhaft sein in dem etwas wild aussehenden Gesicht mit einem perlfarbigen bis orangeroten Auge. Leider werden noch viel zu oft die Tiere mit perlfarbiger Iris von den Richtern zurückgesetzt. Die Kehllappen sollten so knapp als möglich und vom Bart verdeckt sein. Letzterer wird recht groß und dreigeteilt in Backen- und Kinnbart gewünscht. Einen ausgeprägten Kinnbart kann man nur über eine Hautfalte an der Vorderkehle erreichen, die die Dreiteilung unterstützt. Haben Tiere durch eventuelle Einkreuzungen keine Hautfalte unter dem Kinn, wird der Kinnbart recht knapp aus fallen und ist damit nicht rassetypisch. Am Unterschnabel sollte die Kinnpartie wie beim Kämpfer weit vorgezogen sein, um einen markanten Kinnbart zu präsentieren. Sind die Ohrlappen, gleich welcher Farbe, zu sehen, ist der Backenbart zu klein und deshalb greift der Richter zur Abstufung. Tiere mit einem ausgeprägten Bart werden immer eine schöne aufgebauschte Nackenfeder bringen. Durch die etwas locker aufgebauschte Nackenfeder kommt auch der im Genick geforderte, deutliche Absatz zustande. Die Federn sollten in der Halsregion zwar dicht und voll sein, aber keinesfalls die Schultern überdecken. Die Henne bringt im Nacken stärker aufgebauschte Federn als der Hahn, man spricht von der Halskrause. Vor allem zeigen Tiere mit einem vollen Bart auch eine volle Halskrause - dieses ist genetisch bedingt. Dieser massiv erscheinende Kopf mit seinem vollen Bart und dem recht wuchtig erscheinenden Hals sind ein Markenzeichen der Zwerg-Orloff und sollten bei der Bewertung nach der Form in Betracht gezogen werden, danach kommen erst Farbe und Feder. Die Zwerg-Orloff sind in den Farben Rotbunt, Mahagoni, Weiß, Schwarz, Gesperbert und Schwarz-Weißgescheckt anerkannt; eigentlich ist für jeden Geschmack etwas dabei, wobei die Rotbunten die größte Verbreitung gefunden haben. Die Lauffarben sollten laut Standard zitronen- bis orangegelb sein, wobei der Standard bei dunklen Farbschlägen einzelne dunkle Schuppen oder einen etwas dunkel angelaufenen Lauf als milde zu beurteilen rät, sodass hier nur abgestuft werden sollte, wenn reinere vorhanden sind.

Haltung und Aufzucht

An die Stallgröße und den Auslauf stellen die Zwerg-Orloff keine höheren Ansprüche als andere mittelschwere Zwergrassen. Beim Futter stellen alle Barthühner Ansprüche an dessen Zubereitung - hier ist Fingerspitzengefühl gefragt. Es sollte niemals Weichfutter verabreicht werden, das nasser als feuchtkrümlig ist, sonst kann es vorkommen, dass der schöne bauschige Bart mit Futterresten verklebt und dadurch Federpicken im Bart gefördert wird. Wer seine Tiere beobachtet, wird in kurzer Zeit herausgefunden haben, was richtig und falsch ist. In der Aufzucht sollte man den Küken das handelsübliche Kükenfutter reichen, für Leckerbissen sind sie natürlich sehr dankbar - da durch unterstützt man eine Handzahmheit. Die Zwerg-Orloff sind eine frohwüchsige Rasse, die eine recht ansprechende Eierleistung bringt.

Bei weiterem Interesse kann man sich an den Sonderverein wenden: 1. Vorsitzender Klaus Quilitzsch, Stafanstr. 4 in 55257 Budenheim.

Die Hauptschau der Orloff und Zwerg-Orloff 1999 findet in Sebnitz in Sachsen am 29. und 30. Oktober statt.

 

Fritz Schöne