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Power-Futter für Küken

Nicht wenige Küken haben in den ersten Lebenstagen Probleme, mit der neuen Umwelt außerhalb des Eies fertig zu werden. Zuweilen treten Schwierigkeiten auf, wenn es darum geht, die Wasserquelle ausfindig zu machen und genügend zu trinken. Kommt dann noch trockenes Fertigfutter hinzu, so bildet sich im Darm häufig schnell ein überaus trockener Kot, den das Küken nur schwerlich oder gar nicht abzugeben vermag. Vorschnelle Kritikerschreien in diesem Moment geradezu hysterisch nach Letal- oder Subletalfaktoren und verminderter Lebensfähigkeit. Auf diese Theoretiker darf man aber nicht hören, denn sie haben keine Ahnung!

Verzichtet man auf das Trockenfutter und gibt in der Anfangsphase nur Kükengrütze bei gleichzeitigem öfteren Zeigen der Tränke und daraus resultierender Wasseraufnahme, hat man keine Probleme, und die Verdauung funktioniert. Kükengrütze ist jedoch nichts anderes als kükengerecht gebrochenes (zerkleinertes) Getreide, und hier ist der Eiweißwert nicht gerade überwältigend. Deshalb sollte man auch für eine Power-Nahrung sorgen, die Energie und Vitamine gleichermaßen bringt und zudem nicht den Verdauungstrakt durch trockene Konsistenz belastet.

Für solche Nahrung muss der Züchter etwas tun. Als gute Power-Nahrung hat sich z. B. ein Möhren-Knoblauch-Speisequark-Gemisch bewährt. Die Möhren werden fein gerieben, dazu kommt etwas fein gehackter oder ausgepresster Knoblauch und ein "Schuss" Salatöl. Das Ganze wird mit Speisequark vermischt, bis sich eine gute, feste Konsistenz gebildet hat. Der hohe Feuchtigkeitsgehalt der Möhre und des Speisequarks führen dem Verdauungstrakt genügend Feuchtigkeit für eine gute Verdauung zu.

Die Möhre als Hauptbestandteil der Power-Nahrung ist überaus wertvoll, wenn es um die Vitamine geht. Die Möhre ist geradezu eine Provitamin-A-Bombe. Das so genannten Beta-Karotin und andere Karotinoide der Möhre kann der Kükenorganismus in das wichtige Vitamin A umwandeln. Vitamin A ist für ein gesundes Wachstum wichtig, und davon können Küken nie genug haben. Um Abwechslung zu bieten, kann man statt der Möhre auch gekochte, geriebene Rote Beete verwenden, die in ihrem Vitaminwert aber der Möhre nachsteht. Nichtsdestotrotz ist Abwechslung gut, und wer besonders top sein will und die Arbeit nicht scheut, kann auch beides untermischen.

Der Knoblauch hat durch seinen hohen Gehalt an Vitamin K, u. a. eine entgiftende Wirkung und stabilisiert das Blutbild, die Blutgerinnungsregulation und sorgt für eine gute Einlagerung von Kalzium ins Knochenskellet - alles lebenswichtige Aufgaben im noch jungen Leben des Kükens. Darüber hinaus hat der Knoblauch verdauungsfördernde Wirkung und zerstört verschiedene schädliche Bakterien, Pilze, Parasiten und sogar manche Viren. Zudem weist er recht viele B-Vitamine auf.

Der Speisequark hat einen hohen Eiweiß- und Fettwert, die für Wachstum und Energie gleichermaßen wichtig sind. Sein Nährstoffverhältnis ist zirka 2,5 und damit für das Wachstum der Küken überaus vorteilhaft. Dazu kommt das

Nährstoffverhältnis der Möhre von etwa 5, wodurch immer noch ideale Wachstumsbedingungen gegeben sind, denn ein Nährstoffverhältnis von 3 bis 4 ist bestens für Kükenfutter.

Aber nicht nur insgesamt, sondern auch in speziellen Werten überzeugt dieses Power-Gemisch bestens. Die Aminosäure Lysin, ein Eiweißbaustein, ist in 100 Gramm Speisequark zu über einem Gramm enthalten. Das ist wahnsinnig viel, und zugleich ist es auch noch gut verwertbar. Gerade diese Aminosäure ist für das Wachstum von Küken und deren einwandfreie

Bindegewebeentwicklung enorm wichtig. Auch die Aminosäuren Methionin und Cystein, die für das Küken von großer Bedeutung sind, hat diese Power-Nahrung recht ordentlich.

Vermischt man diese Nahrung noch mit fein geschnittenem Löwenzahn, Schnittlauch oder Brennnesseln, so hat man eigentlich alles, was man für eine gesunde Ernährung in der Anfangsphase benötigt. Natürlich darf die Kükengrütze als Basis nicht fehlen, aber das Power-Futter, das man mit Weizenkeimen, Haferflocken und Weizenkleie noch aufwerten oder in der Geschmacksrichtung abwechslungsreich gestalten kann, sorgt für einen guten Anfangsschub in jeder Richtung, sobald die Küken gelernt haben, erste Nahrungspartikel aufzunehmen. Als Abwechslung kann man auch ein abgekochtes, zerkleinertes Ei darunter mischen. Dabei gibt man nur so viel, wie die Küken in kurzer Zeit verzehren. Im Futtertrog soll nichts liegen bleiben.

Natürlich kann man solche Leckerbissen auch aus der Hand reichen. Hierdurch macht man Küken bei der Aufzucht ohne Glucke überaus zahm. Auch eine an Menschen gewöhnte Glucke holt sich mit ihren Küken solche Nahrung gerne ab und gewöhnt so die Küken frühzeitig an den Züchter.

Durch derartige Nahrung, die einen hohen Feuchtigkeitsgehalt hat, stellt man einen wertvollen Verdauungsbrei im Darm sicher und eine problemlose Kotabgabe. Dadurch verhallen auch die unüberlegten, absolut praxisfremden Unterstellungen, man würde keine Vitalität in seiner Zucht haben. Darüber hinaus hat man eine prima Entwicklung. Später kann man, sofern man überhaupt will, auf das Fertigfutter langsam übergehen, denn ein durch Power-Futter gestärkter Organismus verkraftet dann auch Futter, das zwar im Nährstoffverhältnis und durch entsprechende Zusätze in der Vitamin- und Mineralstoffversorgung sehr gut ist, andererseits aber auch negative Beimischungen - z. B. Mehle tierischen Ursprungs, fritierte Fette, schädliche künstliche Laborprodukte enthalten kann und in seiner Konsistenz überaus trocken ist.

Michael von Lüttwitz