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150 Jahre Moderne Englische Zwerg-Kämpfer

Das 19. Jahrhundert gilt in der Weit als das große Jahrhundert der Rassezucht. In dieser Ära entstanden in meist kürzester Zeit die unterschiedlichsten Rassen und zahlreiche Verzwergungen. Die Züchter und Farmer auf der britischen Insel hatte eine Welle der Begeisterung erfasst, sie ließen sich ihr Hobby eine Menge Geld kosten und waren auch bereit, eine große Anzahl von Tieren zu halten und eine Unmenge von Jungtieren aufzuziehen, um aus ihnen nur wenige, besonders gute für die Zucht und Ausstellung zu verwenden. Die alte und heute kostbare englische Geflügelliteratur nennt als das eigentliche Entstehungszentrum der Modernen Englischen Zwerg-Kämpfer das Kohlengebiet Nordenglands. Hier fanden auch regelmäßig Hahnenkämpfe der Großrassen statt.

Wenngleich die Annahme bestätigt wird, dass zur Entstehung dieser Zwerg-Kämpfer-Rasse mehrere Züchter beigetragen haben, so stellten William Flamank Entwisle, der Erzüchter einer ganzen Reihe von bekannten Zwerghuhnrassen, und sein Freund John Crossland genau in der Mitte des 19. Jahrhunderts im Calder Grove House die ersten Modernen Englischen Zwerg-Kämpfer der Öffentlichkeit vor. Wesentlich später wurden die Altenglischen ZwergKämpfer geschaffen.

Man muss es heute als Tatsache betrachten, dass wohl weniger ihre Anspruchslosigkeit als vielmehr ihre erstaunliche Vererbungstreue, ihr zutrauliches Wesen und der hohe Charakter dieses einmaligen Zwerghuhnes den Züchter über 150 Jahre immer wieder in den Bann zog.

Der keilförmig gezogene Kopf, der hohe Stand mit kurzem Körper und breiter Front und der lange dünne Hals formen den figürlichen Gesamteindruck des Modernen Englischen Zwerg-Kämpfers. So taucht oft bei den Großschauen logischerweise die Frage auf, warum die Note oder der Preis zweier doch fast gleich aussehender Tiere sich gelegentlich krass unterscheidet. Nun, Klarheit besteht wohl darüber, dass es in einer ausgesprochenen Sportzucht unter Berücksichtigung des geringen Körpervolumens oft nur Feinheiten sein können, die vor allem auf Sonderschauen letzte Entscheidungen herbeiführen. Die Tagesform eines jeden Tieres ist hier ebenfalls mit entscheidend.

Es ist in der heutigen Zeit ein grundsätzliches Allgemeingut geworden, dass in erster Linie die Form jeder Rasse vor der Farbe den Vorzug erhält. Diese Forderung trifft in erhöhtem Maße auf alle Zwerg-Kämpfer-Rassen mit dem erschwerendem Zusatz zu, dass den Variationen der einwandfreien Farbe und Zeichnung besonders bei der Bewertung der Modernen Englischen Zwerg-Kämpfer größte Beachtung geschenkt wird. Zu der gewünschten Form, Farbe und Zeichnung gehören im Ausstellungskäfig auch Dressur, Kondition und die dazu gehörige Kopfblüte. Bei den Goldhalsigen und Rotgesattelten wünschen wir uns eine rote Gesichtsfarbe und bei den Birkenfarbigen und Orangebrüstigen eine maulbeerfarbige.

Rotgesattelte Moderne Englische ZwergKämpfer, gemalt von van der Laan, 2000. Foto: Detering

 

In seinem Gesamteindruck soll sich der Moderne Englische Zwerg-Kämpfer als ein Zwerghuhn mit hohem Stand, knappem, fast flaumlosen Gefieder ohne jegliche Polsterung und kurzem Rücken zeigen. Seine Figur soll wie modelliert wirken. Eine ausgesprochene Zierlichkeit mit der Einhaltung der Standardgewichte ist hierbei die Grundvoraussetzung. Es ist eine Tatsache, dass die Modernen Englischen Zwerg-Kämpfer unserer englischen Freunde wesentlich zarter sind, aber auch in Frontbreite und Standhöhe nicht mithalten können. Eine Angleichung ist hier unbedingt erforderlich.

Moderne Englische Zwerg-Kämpfer in Skulptur und Original beim Autor. Foto: v. Lüttwitz

 

Andererseits müssen Tiere mit zu viel Körpergewicht unbedingt aus den Zuchten genommen werden. Bei Goldhalsigen und Orangebrüstigen war dieses im letzten Jahr besonders zu kritisieren.

Unsere Hähne müssen hoch aufgerichtet sein, ohne den Körper extrem steil zu tragen. Unbedingt notwendig ist ein sich nach hinten stark verjüngender Körper, dessen Rückenpartie gerade und absolut flach verläuft.

Die Läufe sind zart und rund und sollten verhältnismäßig lang sein. Auf lange und muskulöse Oberschenkel sollte ebenfalls großer Wert gelegt werden. Beanstandungen wegen der Lage der hinteren Zehen sind bei der Rasse nicht selten. Es besteht jedoch ein Unterschied zwischen dem rassige Tiere auszeichnenden etwas stelzigen Stand auf dem vorderen Teil der Zehen mit der dabei auch abstehenden Hinterzehe und jener Tiere, die diese am Mittelfußknochen in Richtung der Innenzehe anlegen. Dieses ist ein erblicher Fehler und wird mit der Ausschlussnote bestraft.

Wiederholt sahen wir in den letzten Jahren Tiere auf unseren Schauen, die ihre Flügel mehr oder weniger gekreuzt auf dem Sattel trugen. Es ist erwiesen, dass diese Flügelhaltung in starkem Maße vererbt wird. Der Einwand einer "verspielten" Flügelanlage ist hier unzutreffend.

Die Schwanzpartien bei unseren Hähnen sollen kurz, schmal und geschlossen sein. Die Sicheln des Hahnes sind nur wenig gebogen und sollen dicht beieinander sein. Im zweiten Jahr trägt das Tier seinen Schwanzaufbau am stilvollsten.

Sichtbar abgesetzt erhebt sich schlank der möglichst wenig gebogene Hals aus dem Rumpf. Der lange, keilförmige Kopf erlaubt die treffende Bezeichnung "schlangenhaft" und ist schmal zwischen den hervortretenden, lebhaften und großen Augen. Eingefallene Gesichter wollen wir auf unseren Schauen nicht sehen, diese Tiere sind konditionslos.

Der unkupierte Kamm des Hahnes zeigt neben kleinen Kehl- und Ohrlappen einen einfachen, schmalen und aufrecht stehenden Kamm. Da kupierte Hähne in Deutschland von der Bewertung ausgeschlossen wurden, ist die Kammverfassung sehr großzügig zu bewerten. Dieses gilt auch bei Verletzungen. Eindeutige Gabelzacken sind aber wie bei anderen Rassen zu behandeln. In anderen Ländern wie z. B. den USA, England und den Niederlanden, auf deren Schauen die Kämpferrassen zu Tausenden in den Käfigen stehen, ist das Kupieren weiterhin erlaubt.

Durch die geschlechtlichen Unterschiede bedingt, wirken die Hennen nicht so ausgeprägt wie die Hähne. Aber auch bei ihnen verlangen wir eine gute Schulterung und einen möglichst kompakten Körper. Dieser darf aber nicht auf Grund der gewünschten Merkmale zu groß werden. Dieses war im letzten Jahr wiederholt bei einigen Orangebrüstern festzustellen. Auf der anderen Seite haben aber graziöse, rassige Moderne Englische Zwerg-Kämpfer mit mageren, schmalfrontigen Schneidern wahrhaftig nichts zu tun.

Sichtbar abgesetzt erhebt sich auch bei der Henne der möglichst wenig gebogene Hals aus dem Körper. Auf lange Gesichter und Schnabellänge ist zu achten. Auch bei der Henne soll der Schwanz nur etwas über der Waagerechten getragen werden.

Zu einem rassigen Kämpfer gehört aber auch dasjenige, das der Engländer mit "good action" bezeichnet. Übersetzt heißt das "gute Aktion" und bedeutet einen straffen Stand und eine akzentuierte Gangart, wobei wir durchgedrückte Fersengelenke nicht sehen wollen!

 

Die Modernen Englischen Zwerg-Kämpfer benötigen viel Aufmerksamkeit und sind bis zu einem gewissen Grad durch die Dressur zu verbessern. Es widerspricht der Eigenart unserer Modernen Englischen Zwerg-Kämpfer, mit anderen Rassen gemeinsam untergebracht zu werden. Wie alle Kämpfer sind sie Individualisten, sie bestechen als Einzeltier und gedeihen am vorteilhaftesten allein unter ihresgleichen. Nur so präsentieren sie sich ungemein zahm und zutraulich als schlanke, langgliedrige Erscheinungen mit einem eigentümlich faszinierenden Charme.

Goldhalsige Moderne Englische ZwergKämpfer, gemalt von Ludlow, 1912. Archiv. Detering

Auf unseren Hauptsonderschauen in Hannover und bei den Nationalen stehen die Modernen Englischen Zwerg-Kämpfer in größeren Zahlen. Goldhalsige, Birkenfarbige und Orangebrüstige sind am zahlreichsten vertreten. Der Vollständigkeit halber soll nicht unerwähnt bleiben, dass noch nicht alle Farbschläge so weit durchgezüchtet sind, um nach einem einheitlichen Maßstab bewertet werden zu können. Jeder Sonderrichter bewertet farbschlagfördernd. So ist bei der Bewertung zum Beispiel die anders geartete Ahnenreihe der Blauvarianten und deren daraus resultierende Qualität zu berücksichtigen. Wenn man darüber hinaus noch berücksichtigt, dass den Rotgesattelten und Weißen das notwendige Waschen nicht nur Vorteile bringt, ist die regelmäßige Durchführung von Hauptsonderschauen (mit über 900 Tieren) der Zwerg-Kämpfer-Rassen und ihrer zuchtstandbezogenen Bewertung gerechtfertigt.

Moderne Englische Zwerg-Kämpfer sind in ihren Proportionen eine ausgesprochene Zwerghuhnrasse. Gewichtsmäßig stehen sie mit den kleinsten Zwerghuhnrassen auf einer Stufe. In einigen Fällen werden diese noch unterboten. Die "eigenartigen" und zutraulichen Modernen Englischen Zwerg-Kämpfer sind in jeder gepflegten Parkanlage mit Ziersträucherbesatz eine Augenweide, nicht zuletzt durch ihr Farbspiel. Aber auch in Volieren und auf engem Raum findet diese Rasse ein Zuhause. Pflege und enger Kontakt mit dem Halter sind von Wichtigkeit. Diese Eigenschaften haben sie in der Welt beliebt werden lassen.

Wilfried Detering