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Magnesium im Hühnerfutter

Neben den Nährstoffen (Eiweiße, Kohlehydrate, Fette) spielen bioaktive Wirkstoffe (zum Beispiel Vitamine, sekundäre Pflanzenstoffe) und Mineralien (Mengen und Spurenelemente) eine wichtige Rolle. Erst wenn alle Substanzen in der notwendigen Menge vorhanden sind, kann der Organismus des Huhnes optimal arbeiten. Dabei darf man niemals eine Substanz isoliert betrachten, sondern immer im Verbund mit allen anderen Substanzen. Unter ihnen herrscht ein sehr komplexes und kompliziertes Wechselspiel. Liegen bestimmte Stoffe in einer Minderversorgung vor, kommt es zu mangelhaften Stoffwechselabläufen, die sich in vielerlei Beziehung äußern können: Vitalitätslosigkeit, Leistungsabfall, Wachstumsstörungen, Gefiederabnormitäten, Farbfehler im Federwerk, Verdauungsprobleme, Verhaltensstörungen etc.

Unter den Mineralstoffen spielt Magnesium eine wesentliche Rolle im Stoffwechsel des Huhnes. Liegt es in einer Unterversorgung vor, können mannigfaltige Probleme auftreten. Aus diesem Grund ist der Züchter gut beraten, auf eine ausreichende Magnesiumzufuhr zu achten. Dabei ist zu beachten, dass seit langem die landwirtschaftlichen Ertragsböden durch einseitige Düngung (starke Verwendung von Kalidüngern) mit Magnesium unterversorgt sind. Folglich weisen auch die Pflanzen und ihre Produkte, wie zum Beispiel Weizenkörner, immer weniger Magnesium auf. Dadurch stimmen die Magnesiumwerte von Lebensmitteltabellen mit dem tatsächlichen Gehalt in pflanzlichen Produkten meist nicht mehr überein, weil die Literatur häufig veraltet ist. Wer sein Hühnerfutter anhand von Lebens- oder Futtermitteltabellen überprüft, darf bei Magnesium immer noch einen gewissen Sicherheitszuschlag einplanen.

Knochenstoffwechsel

Magnesium spielt beim Huhn im Knochenstoffwechsel eine wichtige Funktion. Es wird darin in zwei unterschiedlichen Formen (leicht und schwer löslich) gespeichert. Obwohl der Magnesiumgehalt im Hühnerknochen lediglich 0,5 bis 0,8 Prozent ausmacht, ist er von großer Bedeutung. Neben einer organischen Grundsubstanz (vornehmlich aus Kollagen bestehend) sind vorwiegend die Mineralien Kalzium, Phosphat, Magnesium und Natrium eingelagert. Alle diese Stoffe müssen in einem Wechselspiel stehen, sonst kann es im Knochenstoffwechsel zu Problemen kommen. Nicht zuletzt ist Magnesium an der hormonalen Regulierung des Kalziumhaushaltes beteiligt.

Kommt es zu einer Magnesiumunterversorgung, meldet sich sofort die Nebenschilddrüse. Denn: Ihre Funktion ist abhängig vom Kalzium und Magnesiumspiegel. Da die Nebenschilddrüse das enorm wichtige Parathormon produziert und zu einer Oberproduktion neigt, wenn Kalzium oder Magnesium bzw. beide in Minderversorgung vorliegen, wird sofort aus dem Knochen Kalzium oder Magnesium bzw. beides freigesetzt. Dadurch kommt es zur Bremsung der Überaktivität der Nebenschilddrüse. Das freigesetzte Kalzium und Magnesium werden über die Niere ausgeschieden oder zum Teil in Weichgewebeteilen deponiert. Eine solche Deponierung ist nachteilig für den Hühnerorganismus, ebenso die unnötige Freisetzung der Mineralien aus dem Knochen. Aus diesem Grund sollte durch ausreichende Magnesiumzuführung ein Stoffwechselstress beim Haushuhn vermieden werden.

Interessant ist, dass bei geschlechtsreifen Hühnern der Magnesiumgehalt im Knochen um zirka 0,1 Prozent sinkt. Bei Legehennen, die zwecks der Eischalenproduktion (mit ihrem hohen Kalkgehalt) Kalzium aus dem Knochen mobilisieren, wurde festgestellt, dass der Magnesiumgehalt im Knochen steigt. Hier scheint Magnesium eine Ersatzfunktion für das abgezogene Kalzium einzunehmen. Da Ersatzfunktionen nie so gut sind wie Originalfunktionen, sollte man besonders in der Legezeit immer auf ein gefülltes extra Futtergefäß mit Muschelkalk bzw. Muschelschrot achten.

Enzyme

Damit Enzyme arbeiten können, brauchen sie immer bestimmte Bestandteile, die sich aktivieren, die sozusagen den Motor der Enzyme starten. Fehlen diese Bestandteile, können die Enzyme nicht arbeiten. Magnesium besitzt für über 300 Enzyme eine solche Starterfunktion. Enzyme ihrerseits bewirken, dass Stoffwechselschritte, die sehr viel Energie verlangen, ohne großen Energieaufwand funktionieren. Fehlen die entsprechenden Enzyme, kann der Stoffwechselschritt nicht ausgeführt werden.

Da magnesiumabhängige Enzyme hauptsächlich im Energiestoffwechsel (Kohlehydratstoffwechsel und Fettspaltung) eine Rolle spielen, ist es einsichtig, dass eine Magnesiumunterversorgung zu einer Antriebsschwäche (alles geht langsamer bei zu wenig Magnesium) führt. In deren Gefolge kommt es zur Leistungsminderung und Erschöpfung. Die Hühner wirken matt und vitalitätslos. In extremen Fällen kann Magnesium sogar zur Muskelschwäche, Benommenheit und Bewusstlosigkeit führen, nicht zuletzt aufgrund einer Mangeldurchblutung im Gehirn.

Im Detail hat Magnesium eine enge Beziehung zur Tätigkeit der Bauchspeicheldrüse und damit zum Blutzuckerspiegel. Magnesium bewirkt den Abbau des Blutzuckers oder anders ausgedrückt, es bewirkt die Umwandlung vo Blutzucker in Energie. Auch auf die Regulierung des Säure-Basen-Gleichgewichtes hat Magnesium großen Einfluss.

Wirkung auf die Muskulatur

Magnesium wird zum größten Teil in de Knochen gespeichert. Bis auf einen kleinen in Körperflüssigkeiten, liegt der Rest im Herz, in der Skelettmuskulatur und Leber vor. Hier erfüllt Magnesium wichtige Aufgaben in der Reizübertragung der Nerven untereinander und auf dii Muskulatur. Die Muskulatur ihrerseits braucht für ein optimales Arbeiten ebenfalls eine Menge Magnesium. Nicht zuletzt ist der Kohlehydratstoffwechsel, der die Energie für Bewegungsabläufe stellt, magnesiumabhängig. Muskelkrämpfe oder Muskelschwäche sind Zeichen eines Magnesiummangels. Sie äußern sic beim Huhn in Passivität und Vitalitätslosigkeit.

Der effektivste Muskel überhaupt ist de Herzmuskel. Damit er einwandfrei arbeite kann, braucht er immer genügend Magnesium Magnesium heftet Nervenreizstoffe an die Reizaufnahmestellen der Herzmuskulatur. Deshalb schützt Magnesium unter anderem vor Herzrhythmusstörungen und bewirkt so beim Huhn für eine effektive Herztätigkeit, die sich in Antriebsstärke und Aktivität äußert. Im Gegensatz zum Knochen ist Magnesium im Muskel siebenmal mehr enthalten wie Kalzium. Das unter streicht seine Bedeutung für die Muskulatur Daneben sorgt Magnesium für eine reibungslose Kaliumaufnahme in den Muskel, was für dessen Funktion sehr wichtig ist.

Weitere magnesiumabhängige Wirkungen

Damit Hühner agil sein können, brauchen sie einerseits die Aktivierung des Kohlehydrat- und Fettstoffwechsels, bei denen Magnesium entscheidend mitwirkt, andererseits muss die "Energie" im Blut transportiert werden. Zudem beeinflusst Magnesium die Sauerstoffausnutzung im Blut, wirkt bei der Auflösung bzw. Vorbeugung von Blutgerinnseln mit, hat Einfluss auf das Freihalten von Ablagerungen in den Blutgefäßen und damit auf die optimale Fließgeschwindigkeit des Blutes. All das stellt sicher, dass die Gewebe mit sauerstoff- und nährstoffreichem Blut umspült bzw. versorgt werden können. Nur dadurch kann jede Zelle die notwendigen Stoffe bekommen, die sie braucht. In dieser Gesamtbetrachtung unter Einbeziehung der Herztätigkeit reguliert Magnesium auch entscheidend den Blutdruck. Damit einhergehend, auch unter Einbezug ablagerungstreier Gefäße, ist die Versorgung des Hirns mit Nährstoffen und Sauerstoff zu betrachten. Kommt es in der Versorgung des Hirns zu Problemen, kann die so genannte Blutleere (Ischämie) ernsthafte Schwierigkeiten auslösen. Vielleicht ist das auch eine der Ursachen für unerklärliche Todesfälle bei Hühnern.

Aber auch in der Zelle selbst hat Magnesium wichtige Aufgaben. Es sitzt in Membranstrukturen, also der "Außenhaut" einer Zelle, repariert beschädigte Körperzellen, reinigt die Zellen von Pestiziden und anderen Umweltgiften und ist am Stoffwechsel des Zellkerns beteiligt, von dem alle Stoffwechselvorgänge gesteuert werden. Aufgrund dieser Aktivitäten kann man sagen, dass Magnesium maßgeblich am Schutz der Zelle vor Veränderungen durch Zellgifte oder Erbgutschädigungen beteiligt ist. Da Zellen besonders durch aggressive Verbindungen, die unter anderem im Stoffwechsel selbst entstehen, geschädigt werden können, ist es wichtig, solche Verbindungen schnell zu eliminieren. Eisen, das Stoffwechselreaktionen unterlag, wird schnell zu einer solchen aggressiven Verbindung. Magnesium verhindert dieses.

Wenn es ans Entgiften geht, spielt immer auch die Leber eine Hauptrolle. Bei ihr stellt Magnesium einen zentralen Baustein für ihre Funktion. Letztlich spielt Magnesium auch eine Rolle in der Verhinderung einer Leberverhärtung. Auch für den Magen-Darm-Trakt ist Magnesium entscheidend. Ein Mangel bzw. eine Unterversorgung verursacht Verkrampfungen im Bauchbereich, vor allem bei Magenein- und -ausgang sowie bei den Ausgängen der Bauchspeicheldrüse und Galle. Da es sich hierbei im Grunde um Verkrampfungen der entsprechenden Schließmuskeln handelt, gehören diese Verdauungsprobleme in den Bereich der bereits besprochenen Muskulaturtätigkeit. Auf alle Fälle hilft Magnesium bei bestimmten Verdauungsstörungen, letztlich auch, weil es sich bei Darmkrämpfen um eine mit Magnesium unterversorgte Muskulatur handeln kann.

Einen ganz wesentlichen Anteil scheint Magnesium in der Fortpflanzung zu spielen. Bereits erwähnt wurde, dass bei geschlechtsreifen Hühnern der Magnesiumgehalt im Knochen sinkt. Seine Freisetzung scheint in Verbindung mit der Fortpflanzung zu stehen. Ein starker Magnesiummangel führte bei Ratten zu Miss- und Totgeburten. Liegt lediglich eine Unterversorgung vor, werden bei Ratten die Würfe kleiner. Waren die Rattenmütter mit Magnesium unterversorgt, erfolgte die Aufzucht aber mit Magnesium, zeigten die Ratten der magnesiumunterversorgten Mütter im späteren Leben eine verminderte Stresstoleranz, ein gestörtes Langzeitgedächtnis und schnellere und längere Blutdruckanstiege.

Diese Ergebnisse sind zwar nicht ohne weiteres auf Hühner übertragbar, jedoch liegt im Magnesiumstoffwechsel beider Tiere kein gravierender Unterschied vor. Aus diesem Grund scheint es vorteilhaft zu sein, gerade in der Zuchtphase auf eine gute Magnesiumversorgung zu achten, damit der sich im Ei entwickelnde Hühnerembryo eine optimale Lebensgrundlage hat. Gerade bei einem Huhn, das in einem Sozialverband lebt und dabei intensivem Sozialstress ausgesetzt ist, muss die Magnesiumversorgung in jeder Lebensphase einfach stimmen.

Auch auf das Lernverhalten scheint Magnesium einen wichtigen Einfluss auszuüben. So demonstrieren Küken bestimmter Rassen ein überaus schnelles Vermögen, Wasser zu finden und aufzunehmen. Andere Rassen haben hier größere Probleme. Bei der Kunstbrut mit anschließender Aufzucht ohne Glucke muss man ihnen regelrecht das Wasser mittels Schnabeleinführung mehrmals zeigen, bis sie es verstanden haben, selbst zum Wasser zu gehen und zu trinken. Ob bei diesen Rassen ein Magnesiumdefizit aufgrund eines erhöhten Magnesiumbedarfes vorliegt, aus dem sich die verminderte Gedächtnisleistung des Wasserfindens ableitet, wäre sicherlich eine interessante Ansatzstelle für wissenschaftliche Untersuchungen.

Da Magnesium maßgeblich auch Gebärmutterkrämpfe lindert bzw. frühzeitige Wehen verhindert, wird ersichtlich, wie wichtig Magnesium für die Fortpflanzungsmuskulatur ist. Damit beim Huhn die Tätigkeit des Eihalters, vergleichbar mit der Gebärmutter der Säugetiere, gut funktioniert, scheint Magnesium von Wichtigkeit zu sein.

Welche Futtermittel?

Nachdem der Züchter die Wichtigkeit der Magnesiumzuführung erkannt hat, stellt sich für ihn die Frage, welche Futterstoffe viel Magnesium enthalten, um eine gute Versorgung der Hühner sicherzustellen.

Bei den Körnerfutterarten Hafer (129 mg/100 g), Weizen (128 mg/100 g), Mais (120 mg/100 g) und Gerste (114 mg/100 g) gibt es keine nennenswerte Unterschiede. Die neue Getreideart Triticale hält unter den Körnern den Rekord mit

155 mg/1 00 g. Die Sojabohne - die als Schrot immer wieder Einsatz in der Hühnerfütterung, nicht zuletzt wegen ihres hohen Eiweißgehaltes (sofern dampferhitzt zur Vernichtung des Eiweißhemmers Trypsin), erfährt -bringt es immerhin auf beachtliche 220 mg/1 00 g. Die Erdnuss, die ebenfalls in Form von Erdnussbruch in der Hühnerversorgung eingesetzt wird, hat 163 mg/1 00 g. Bei ihr ist aber wegen der hohen Verpilzungsgefahr eine zurückhaltende Verfütterung anzuraten.

Im Bereich von Futterpflanzen herrscht eine Magnesiumflaute. Grünkohl gehört mit 31 mg/1 00 g schon zu den Rekordhaltern. Er wird lediglich vom Wegerich mit 33 mg/100 g, vom Löwenzahn (36 mg/100 g), Sauerampfer (41 mg/100 g) und Spinat (58 mg/100 g) übertroffen. Gerade aber bei Sauerampfer oder Spinat, die hohe Oxalsäurewerte aufweisen, ebenso Phytinsäuren, wird die Aufnahmefähigkeit von Magnesium reduziert, weshalb die hohen Werte in der Nährwerttabelle für die Wirklichkeit keine Aussagekraft besitzen. Eine Ausnahme bei Grünpflanzen macht der Portulak (Sauburtzel), der es auf 151 mg/1 00 g bringt und damit sogar die traditionellen Getreidekörner überflügelt. Insgesamt ist bei diesen Werten zu beachten, dass die in letzter Zeit stark vernachlässigte Magnesium- bzw. überhöhte Kaliumdüngung die Werte zusätzlich verringert.

Wer Früchte verfüttert, der sollte, sofern er günstig an Bananen herankommt, diese in der Fütterung einsetzen, denn sie bringen 36 mg/100 g und rangieren damit gegenüber anderen Obstprodukten weit vorne. Wenn man Hühner zur Aufnahme von Hagebutten, eventuell zerkleinert übers Weichfutter, motiviert, hat man immerhin eine Magnesiumquelle von 104 mg/1 00 g.

Um hohe Magnesiumzuführungen zu erzielen, muss man Weichfutter geben, das mit Weizenkeimen und Weizenkleie angesetzt wird. Weizenkeime bringen es auf 250 mg/1 00 g und Weizenkleie erreicht den Rekord von sage und schreibe 590 mg/1 00 g. Demgegenüber haben Haferflocken nur 139 mg/1 00 g Magnesiumanteil, was aber gerade in der Kükenfütterung sehr positiv sein kann, da Haferflocken sehr gerne gefressen werden. Dabei ist auch auf den Vitamin-B-Komplex zu achten, denn eine gute Magnesiumaufnahme im Darm wird nur bei einer guten Vitamin-B-Versorgung sichergestellt. Haferflocken, Weizenkeime und Weizenkleie bringen von Natur aus hohe Vitamin-B-Werte mit. Wer ganz auf Nummer Sicher gehen will, der verfüttert mit dem täglichen Futter etwas

Bier- bzw. Futterhefe, die den Vitamin-B-Komplex in einem ausgesprochen hohen Niveau enthält.

Wer seine Hühner mit magnesiumreichen Futtermitteln, vor allem in der Zucht, versorgt, wird mit Sicherheit vitale, frohwüchsige Küken erhalten, die dann natürlich weiterhin eine gute Magnesiumversorgung brauchen. Doch Magnesium ist nicht alles. Auch die anderen Mineralien und bioaktiven Stoffe müssen stimmen, denn die am geringsten vorliegende Substanz schränkt die Wirkungsweise der anderen, in ausreichender Menge vorliegenden Stoffe ein. Deshalb ist eine ausgewogene Versorgung der Hühner überaus wichtig, wozu Grünfutter stets gehört, im Falle des Magnesiums aber Weizenkeime und Weizenkleie (zum Beispiel übers Weichfutter gereicht) neben den traditionellen Körnern die Basis stellen. Und da Magnesium für den alltäglichen Stoffwechsel nicht in nennenswerter Form gespeichert werden kann, ist dessen tägliche Zuführung enorm wichtig.

Michael von Lüttwitz