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Goldweizenfarbige Hühner

Die Farbschlagpalette der Hühner- und Zwerghühnerrassen ist breit gefächert. Ausgangspunkt aller Farben war die Wildfarbe der Bankivahühner, welche durch Abwandlungen bzw. Mutationen immer mehr Varianten hervorbrachte. In der Haushuhnzucht lief durch die menschliche Zuchtwahl die Evolution der Farben in einem enorm schnellen Tempo ab. Dabei gab es zur Wildfarbe Verdunklungen als auch Aufhellungen. EineAufhellung, die der Wildfarbe noch relativ nahe steht, ist Gold-Weizenfarbig.


Gold-Weizenfarbig kann sehr unterschiedlich sein - hier bei seidenfedrigen Chabos

Früher wurde diese Farbgebung einfach als Weizenfarbig bezeichnet. Nachdem als weitere Variante zur Weizenfarbe die Farbgebung Silber-Weizenfarbig entstand und auf verschiedene Rassen übertragen wurde, zeichnete sich die Notwendigkeit ab, die Weizenfarbe korrekt zu klassifizieren. Sie erhielt die treffende Bezeichnung Gold-Weizenfarbig. Allerdings beließ man es aus traditionellen Gründen zuweilen bei der alten Farbschlagbezeichnung Weizenfarbig: So zum Beispiel bei den Malaien, wobei natürlich auch sie zum gold-weizenfarbigen Schlag gehören. Im Grunde genommen ist die Bezeichnung Weizenfarbe veraltet und ungenau, man sollte der Einheitlichkeit wegen und zum besseren Verständnis prinzipiell nur noch von gold-weizenfarbig oder silber-weizenfarbig sprechen, zumal es auch noch die Farbgebung Rotgesattelt-Weizenfarbig gibt.

Das gold-weizenfarbige Farbspiel ist überaus interessant, da es zwar durch ein Hauptgen hervorgerufen wird, aber auch andere Faktoren hineinspielen, am gravierendsten männliches Geschlechtshormon. Aus letzterem Grund hat man bei diesem Farbschlag bei Hahn und Henne zwei grundsätzlich unterschiedliche Farbbilder.

Das genetische Symbol für Gold-Weizenfarbig lautet eWh, wobei "Wh" von dem englischen Wort Wheaten, auf deutsch Weizen, kommt. Bei den Hennen kommt es durch den geschlechtsgebundenen Ausfall von Schwarzpigment zu einer sehr hellen Farbgebung, die laut Standard im Mantelgefieder zwischen Semmelgelb und Rötlichgelb schwankt, wobei zu erwähnen ist, dass eine Semmel auch sehr hellbacken - nahezu elfenbeinfarbig - sein kann. Im Grunde genommen kann man sich die Farbe von einem Weizenkorn in unterschiedlichen Reifestadien vorstellen - es sind also viele Schattierungen möglich.

Idealerweise ist auch der Halsbehang, der gemeinhin immer dunkler ist und einen goldenen Saum aufweist, ohne jedes Schwarz. Hier hat jedoch die eine oder andere Rasse Probleme, weil hier immer wieder einmal Schwarz eingelagert sein kann. Rassespezifisch ist dieses Manko zu tolerieren oder zu strafen, die Zuchtstände sind diesbezüglich unterschiedlich.

Wie hell oder wie dunkel die Weizenfarbe bei den Hennen ist, hängt auch davon ab, ob die Henne reinerbig für Weizenfarbe ist oder mischerbig. Eine Henne besitzt das Gen für Weizenfarbe nämlich zweimal, einmal eine Anlage von der Mutter kommend und einmal vom Vater. Sind die Eltern in der Weizenfarbe nicht reinerbig, so kommt es bei der Nachzucht - und hier spielt der Zufall eine entscheidende Rolle zum Teil zu anderen Farben oder zumindest zu schwächeren oder stärkeren Abweichungen zur gold-weizenfarbigen Tönung. Kreuzt man beispielsweise goldhalsige oder wildfarbige Hühner mit gold-weizenfarbigen, so bekommt man eine Farbgebung, die zwischen beiden liegt. Da aber bei der Farbausprägung auch andere Faktoren noch mitspielen, kann es sein, dass man zum Beispiel Hennen in einer goldhalsigen Farbgebung erhält, aber mit weizenfarbiger Brustpartie. Apropos Brust: Die Farbgebung dieses Körpergefieders ist bei der Gold-Weizenfarbe bedeutend heller als die Mantelfarbe.

Eine sehr helle weizenfarbige Tönung zeigen Malaienhennen.

Eine gewisse schwarze Farbgebung ist zuweilen in den Schwingen gold-weizenfarbiger Hennen erkennbar. Handelt es sich um die Farbvariante der Blau-Weizenfarbe, so sind diese Schwarzanteile blau, bei den Hennen neben der normalerweise ebenfalls teilweiß schwärzlichen Schwanzfarbe das einzige Kritirium, um eine Abgrenzung von der Gold-Weizenfarbe vorzunehmen. Handelt es sich um eine schwanzlose Rasse (Araucanas), so ist die Schwingenfarbe letztlich das einzige Unterscheidungskriterium. Inwieweit Schwarzpigment in Schwanz und Schwingen zulässig oder gar Farbschlagmerkmal ist, regelt der Standard von Rasse zu Rasse unterschiedlich.

Interessant ist die Daunenfärbung der Küken. Handelt es sich um reinerbige gold-weizenfarbige Küken - also mit dem genetischen Code ( eWh eWh -, dann sind die Küken hellgelb oder elfenbeinfarbig gefärbt, wobei keine Streifungsmuster - auftreten. Abweichungen von diese Farbbild deuten auf frühere Einkreuzungen hin, die immer wieder in der Nachzucht durchbrechen.

Die erwachsenen Hennen haben später ein weißes bis höchstens gelblichweißes Untergefieder, übrigens auch, wenn es sich um keine reinerbigen gold-weizenfarbigen Vertreter handelt. Dieses helle Untergefieder zeigen auch die Hähne. Hier hat man zum Beispiel bei den Araucanas ein untrügliches Merkmal, dass es sich bei einem im äußeren Erscheinungsbild goldhalsigen oder gar wildfarbigen Hahn in Wirklichkeit um einen mischerbigen handelt. Solche Tiere können dann in einer weiblichen Nachzucht eventuell Probleme mit der richtigen Mantel- oder Brustfarbe bringen.

Mit diesem kleinen Ausflug in die mögliche Mischerbigkeit der Hähne wird schnell offenkundig, dass gold-weizenfarbige Hähne sich kaum oder gar nicht von goldhalsigen oder wildfarbigen unterscheiden - zumindest auf den ersten Blick. Wenngleich die Schmuckfarbe der gold-weizenfarbigen Hähne von Rasse zu Rasse variieren darf und vom dunklen Mahagonirot bis zur helleren Goldhalsigkeit geht, haben alle gold-weizenfarbigen Hähne eines gemein: Der schwarze Schaftstrich in Hals- und Sattelbehang fehlt. Zumindest ist dieses theoretisch so. Es gibt immer noch Rassen, die damit Probleme haben. So zeigt bei diesen der Halsbehang teils einen schwarzen Schaftstrich, übrigens die Ursache für Schwarzpigmente im Hals der Hennen, vor allem, wenn die Hähne auch noch einen Rußkragen an den Tag legen, der natürlich bei aller Kulanz zu einem schwarzen Schaftstrich in keinem Fall toleriert werden kann. Der Sattelbehang muss aber immer frei von jedem Schwarzpigment sein.

Natürlich ist der Schaftstrich auch nicht das Nonplusultra bei der Hahnenbeurteilung bzw. Farbschlagunterscheidung, denn bei den goldhalsigen Modernen Englischen Kämpfern zum Beispiel wird ebenfalls ein schaftstrichfreier Hals- und Sattelbehang gefordert. Man muss eben immer bei der Beurteilung eines gold-weizenfarbigen Hahnes die gesamte Bandbreite der genetischen Merkmalsausprägung heranziehen, um im Zweifelsfall eine einwandfreie Zuordnung vornehmen zu können.

Dass die Hähne sich in der Farbgebung im Großen und Ganzen nicht von Goldhalsigen bzw. Wildfarbigen auf den ersten Blick unterscheiden, hängt mit dem bereits angesprochen männlichen Geschlechtshormon zusammen. Dieses bewirkt, dass das Gen für Weizenfarbe beim Hahn eine minimale Ausprägung an den Tag legt, während es bei der Henne eine besonders starke Ausprägung erfährt. Dadurch bleiben beim Hahn im Gegensatz zur Henne die typisch schwarzen Gefiederareale der Wildfarbe oder Goldhalsigkeit schwarz. Ist der gold-weizenfarbige Hahn nicht reinerbig oder sind in seinem Erbgut noch andere Farbmerkmale versteckt vorhanden, so kommt es oft vor, dass gerade im Brustbereich bräunliche Farbtöne durchbrechen.

Wenn bereits davon gesprochen wurde, dass die Gold-Weizenfarbe nicht nur auf ihr eigentliches Farbgen begrenzt werden kann, sondern dass hier auch andere Faktoren hineinspielen, dann muss man in diesem Zusammenhang die Gene Sg+ und dk+ nennen. Ersteres Gen steht für eine ganz bestimmte Anordnung des schwarzpigments in der Feder, letzteres für eine Verdünnung der Wildfarbe, das wiederum unter dem Einfluss von weiblichen Geschlechtshormonen zu stehen scheint. Und da Hormone von vielen anderen Faktoren bestimmt werden, unter anderem auch vom Verhältnis weibliches Geschlechtshormon - männliches Geschlechtshormon, wird überdeutlich, dass man bei Gold-Weizenfarbig niemals ein absolut einheitliches Farbbild, zumindest im weiblichen Geschlecht, erreichen kann. Zu groß ist einfach die Beeinflussung des primären eWh- Gens für die Weizenfarbe. Da zum Beispiel die Genpaare (Allele) für dk+ und Sg+ auch noch mischerbig sein können, wird die Phalanx der Farbvarianz noch größer. Und weil in der Rassegeflügelzucht seltsamerweise ein Hang zu möglichst ständigen Einkreuzungen besteht, weil man damit glaubt, Unzulängliches in der Zucht ausgleichen zu können, wird die Reinerbigkeit bestimmter Farben nicht gefördert, sondern vielmehr erschwert. Deshalb weiß man letztlich beim Zukauf eines neuen Tieres, vor allem bei einem Hahn, nie, ob man nicht die "Katze im Sack" gekauft hat und dann in der Nachzucht sein blaues Wunder erlebt.

Gold-weizenfarbige Araucanas

Damit es aber nicht so einfach bleibt, wie es ist, spielen bei der Gold-Weizenfarbe auch noch andere genetische Farbkomponenten mit. So haben zum Beispiel die New Hampshire ebenfalls das Gen für Weizenfarbig, im Ideal sogar in reinrebiger Form, dennoch sieht man nicht viel davon (um nicht zu sagen gar nichts), da hier wiederum andere Gene dieses Gen derart beeinflussen, dass es nicht zum Durchbruch kommt. Das Gen für Weizenfarbigkeit eWh ist im Grunde genommen lediglich eine Variante zu dem Gen E, welches für die Ausbreitung von schwarzem Pigment steht, durch Mutation in eWh jedoch im weiblichen Geschlecht sozusagen eine "Bremse" für Schwarzpigment erfährt. Dass hier viele Faktoren eine Beeinflussung spielen können, liegt auf der Hand.

Anhand der komplexen Farbvererbung für Weizenfarbigkeit wird deutlich, wie schwer es ist, einen einheitlichen Zuchtstand zu erzielen, und was es bedeutet, einen ausgeglichenen Stamm in diesem Farbbild auf einer Schau zu präsentieren. Schnell wird auch klar, dass man Steh- und Einfühlungsvermögen bei dieser Farbe braucht und man mit dem Zukauf ständig neuer Tiere für eine ominöse "Blutauffrischung" durchaus nicht immer gut beraten ist.

Michael von Lüttwitz