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Wie das Abwehrsystem beim Huhn arbeitet

Das Immunsystem des Haushuhnes ist bildlich gesprochen und vereinfacht dargestellt - eine schlachterprobte Kampfmaschinerie. Ja, so muss man das tatsächlich ausdrücken, denn es stellt im Gesamtorganismus, auf menschliche Verhältnisse übertragen, das Polizei- und Militärwesen dar. Es hat gut ausgebildete Polizisten und Soldaten sowie Elitesoldaten, die für spezielle Einsätze ausgebildet sind. Das ist notwendig, damit die normalen Körperzellen die im Verband Gewebe und Organe bilden und den Gesamtorganismus Huhn aufrecht erhalten - ordnungsgemäß arbeiten können. Das Immunsystem sorgt nach innen und nach außen für Ordnung, es schützt den Organismus vor Störenfrieden und Feinden aller Art.

Angriffe von außen finden ständig statt. In jeder Sekunde wird der Organismus Huhn angegriffen. Das Ziel der Angreifer ist häufig, den Organismus für ihre Bedürfnisse zu missbrauchen, und am Ende kann der Tod des Huhnes stehen. Hier greift das Immunsystem ein, erst zurückhaltend, wenn nötig mit voller Kraft, und wenn das nichts nützt, fährt es härteste Geschütze auf.

Identifizierung

Jede Zelle des Haushuhnes hat einen Personalausweis und eine einheitliche Fassade, an weichem das Immunsystem sofort erkennt, dass diese und jene Zellen zum Organismus Haushuhn gehören. An der Präsentation der einheitlichen, sofort erkennbaren Fassade und der Präsentation des Personalausweises ist jede Haushuhnzelle in höchstem Maße selbst interessiert. Missachtet sie diese Identifizierung, bedeutet das ihr Todesurteil. Alle Zellen, die sich nicht als haushuhnzugehörig ausweisen, werden sofort vom Immunsystem vernichtet. Beim Menschen kommt auf 100 Körperzellen eine Zelle, welche ständig alles auf Zugehörigkeit zum Organismus Mensch kontrolliert - beim Haushuhn dürfte das Verhältnis nicht viel anders sein.

Der Organismus Huhn liegt mit seinen Feinden - den Viren, Bakterien, Pilzen, Einzellern und anderen Parasiten - in einem ständigen Kriegszustand. Deshalb ist ein hohes Sicherheitsaufgebot von allergrößter Bedeutung. Damit es funktioniert, braucht das Haushuhn ständig Nachschub. Nachschub heißt in diesem Fall Vitamine, Mineralstoffe, sekundäre Pflanzenstoffe, Nährstoffe und Wasser. Erst wenn diese Stoffe ständig und in der notwendigen Menge zur Verfügung stehen, kann es optimal arbeiten. Im gesellschaftlichen Bereich heißt Kriegszustand hohe Finanzausgaben, beim Haushuhn heißt ständiger Kriegszustand beste Versorgung mit allen Stoffen bzw. immenser Stoffverbrauch.

Ein Virus greift an

Ein Virus - ein sehr unangenehmer Feind gelangt häufig über die Luft in das Huhn, überwindet abwehrende Vorposten und setzt sich fest. Es wird sofort erkannt, weil es keine organismuseigene Fassade zeigt und ' keinen Personalausweis vorweisen kann. Das war ein harmloser Angriff. Es gibt aber auch "intelligentere" Viren. Ein solcher Virus dringt sofort in eine Zelle ein und programmiert deren Erbmaterial so um, dass sie neue Viren produziert, ohne dabei aber die Fassade und den Personalausweis der Hühnerzelle zu verändern, Das Virus täuscht falsche Tatsachen vor und bleibt deshalb unerkannt. Das umprogrammierte Erbgut produziert nun nicht mehr für den Hühnerorganismus, sondern vervielfacht den eingedrungenen Virus, der nun zu einer stattlichen Anzahl anwächst.

Grünfutter ist eminent wichtig für die Stärkung der Abwehrkraft.

Die überfallene Zelle kann aber immer, bevor ihr Erbgut vom Virus umprogrammiert wird, einen SOS-Funkruf senden, denn die Umprogrammierung dauert eine gewisse Zeit.

Die Nachbarzellen schotten sich dabei ab, denn sie wissen, dass die sich vermehrende Virusarmee als nächstes sie überfällt und ihr Erbgut umprogrammieren wird. Allerdings ist dieser Schutz nur recht schwach, aber offensichtlich ausreichend, um nicht unerkannt zu bleiben. Dazu kommt die Vermehrung des Virus, was ebenfalls auf die Dauer nicht verborgen werden kann. Dieses merkt der für die Zellen zuständige Polizist, im Immunsystem Makrophage genannt. Er greift ein, zuvor alarmiert er seine Kollegen. Diese liefern sich mit den eingefallenen Viren ein Gefecht. Jeder Makrophage, der einen Virus getötet hat, nimmt die Erkennungsmarke des Virus als Trophäe mit.

Den Makrophagen zu Hilfe kommen Zellen mit dem furchteinflößenden Namen "Killerzellen". Bei ihnen handelt es sich um eine bestimmte Gruppe von T-Lymphozyten, die man auch als militärische Einheit bezeichnen könnte (im Gegensatz zum Säuger sind diese Zellen beim Haushuhn nur wenig untersucht). Sie beginnen sofort mit der Vernichtung der im Erbgut umprogrammierten Zellen, denn diese Zellen sind für den Hühnerorganismus verloren, ja sie arbeiten gezwungenermaßen, sozusagen als Kollaborateure, für den Feind. Die umprogrammierten Zellen werden wie Häuser abgerissen und im anschließenden Gesundungsprozess durch neue, intakte ersetzt. Der Organismus Haushuhn funktioniert wieder einwandfrei, der Feind und seine infizierten Vermehrerzellen sind vernichtet.

Massenüberfall

Doch so einfach geht es nicht immer. Häufig kam das Virus nicht allein, sondern schon in großer Anzahl. Dadurch vermehrt es sich in den umprogrammierten Hühnerzellen viel schneller als es die Makrophagen und Killerzellen in Schach halten können. Die Polizei und militärischen Soforteingreiftruppen des Haushuhnes sehen sich überfordert und rufen Verstärkung. Jetzt treten militärische Eliteeinheiten auf den Plan. Alarmzustand Rot heißt es bei den Kampfeinheiten. Eine Spezialeinheit, die Helfer T-Zellen (ebenfalls zur Großfamilie der T-Lymphozyten gehörend), richten Kommandostände ein und organisieren den gezielten Gegenangriff. War die Polizeiaktion im Rahmen einer allgemeinen Immunität tätig, so wird jetzt die so genannte spezifische Immunität aktiv.

Die Helfer-T-Zellen holen sich von den Makrophagen die Trophäen, die Erkennungsmarken, der bereits vernichteten Viren. Die Helfer T-Zellen befehlen nach der Einrichtung der Kommandostände und der Identifikation des Feindes den Killerzellen und Makraphagen den verstärkten Angriff. Darüber hinaus aktivieren sie alle in den Kasernen und Stützpunkten des Immunsystems sitzenden Killerzellen (ca. 70 Prozent dieser Einheiten sind im lymphatischen System). Sie werden aber nicht nur mobilisiert, darüber hinaus findet wie in einer auf Hochtouren laufenden Waffenproduktion eine enorme Vermehrung dieser T-Zellen-Kampfeinheiten statt. Gemeinsam, die Makrophagen und Killerzellen, greifen sie den Virusfeind nun vehement an. Sie räumen mit den Vermehrungsstätten der Viren und den Viren selbst auf. Es gilt nur eines. So schnell wie möglich die Oberhand gewinnen und den Kriegszustand auf eine überschaubares Areal zu begrenzen.

Ziel der Viren ist es, den Kriegsschauplatz keinesfalls auf ein bestimmtes Areal beschränkt zu halten. Sie wollen den gesamten Hühnerorganismus überfluten und in jedem Gewebe, in jedem Organ die Oberhand gewonnen. Das wäre der Endsieg für die Viren und der Tod für das Huhn. Deshalb gilt es für das Abwehrsystem, diese Strategie unter allen Umständen zu verhindern. Unablässig arbeiten jetzt die Makrophagen auch verstärkt hinter der Front. Alle Viren, welche die Verteidigungslinie durchbrochen haben, werden von ihnen abgefangen. Dafür läuft natürlich die Produktion für neue Makrophagen weiter auf Hochtouren, genauso wie die der Killerzellen.

Gelingt die Eindämmung des Kriegsschauplatzes nicht, alarmieren die Helfer-T-Zellen aus ihren Kommandoständen verstärkt die so genannten B-Zellen (B-Lymphozyten). Diese sitzen u. a. in den Lymphknoten. Lymphknoten sind hoch spezialisierte Abwehrstützpunkte. Die B-Zellen werden nun aktiviert und fertigen unzählige Kopien von sich an, und noch mehr spezielle Waffen, so genannte Antikörper, mehr als 1000 pro Sekunde. (Das "B" der B-Zellen, die bei allen höheren Lebewesen vorkommen, leitet sich übrigens vom Haushuhn ab. Diese Zellen wurden in der Bursa[-Fabricii]-Drüse entdeckt; beim Säuger fehlt diese Drüse, dort kommen sie u. a. im Knochenmark und der Leber vor.) Vom Kommandostand haben die B-Zellen bereits alle notwendigen Informationen über den Virusfeind erhalten. Ihre Waffen (Antikörper) sind deshalb genauestens über den Kampfstil der Viren und die Gestalt der Viren informiert, und sie können bestens gegen diese vorgehen. Sie neutralisieren den Virus, indem sie ihn entwaffnen und abführen zur späteren Eliminierung. (Biologisch spricht man von einem Andocken der Y-förmigen Marker am Virus. Dadurch entsteht ein Antigen-Antikörper-Komplex, der zur Inaktivierung des Virus führt.)

Manchmal ist der Feind aber in einer solchen Obermacht, dass auch die Mobilisierung haushuhneigenen Militärs durch die spezifische Abwehr noch keinen Sieg erringen kann. Jetzt herrscht höchster Alarmzustand, denn jetzt geht es nicht mehr um die Verteidigung von einem Organ, jetzt ist die Überlebensfähigkeit des gesamten Hühnerorganismus in Frage gestellt. Die B-Zellen geben über den Botenstoff Histamin die Information, dass sie den Gegner nicht in Gänze in Schach halten können. Schleimhäute schwellen daraufhin an und versuchen zusätzlich den Feind auszuschwemmen, sie unterstützen sozusagen die Arbeit der B-Zellen. (Bei Mensch und Tier tritt jetzt auch Fieber auf den Plan.) Zugleich vervielfacht sich die B-Zellen-Kopien- und Antikörperherstellung, um die Abwehrkraft zu stärken. Es gilt einfach, die zahlenmäßige Oberhand zu gewinnen. In dieser Obermacht besiegen die Abwehrzellen den Feind. Gelingt ihnen das nicht, haben sie den Krieg verloren und am Ende steht der Tod des Haushuhnes, dessen Zellverband es nicht fertig brachte, den Virusgegner in Schach zu halten.

Zeitfaktor

Vereinfacht ausgedrückt heißt das, dass der entscheidende Moment für Sieg oder Niederlage der Zeitfaktor ist. Gelingt es dem Haushuhn, in kurzer Zeit seine Abwehrkräfte zu mobilisieren, dann hat es im Grunde genommen keine Probleme. Diese Mobilisierung ist von unterschiedlichen Kriterien abhängig. Eine davon ist die bereits erwähnte optimale Versorgung des Hühnerorganismus mit allen notwendigen Stoffen, wobei eine reichhaltige Grünzeugfütterung immer die Basis bildet. Vitamine in hohen Mengen sind das A und 0 bei der Infektionsbekämpfung. Ohne eine entsprechende Versorgung ist der Organismus immer im Nachteil, zuweilen auch auf der Verliererstraße. Ein anderer Faktor ist das Vermeiden von bestimmten Stoffen. So können zum Beispiel im industriell hergestellten Fertigfutter Zusatzstoffe enthalten sein, die eine negative Auswirkung auf das Immunsystem ausüben.

Hat der Haushuhnkörper den Krieg gewonnen, heißt es, die laufende Kriegsmaschinerie zu stoppen. Aufklärer, so genannte T-Zellen Unterdrücker stellen fest, dass alle Viren entweder tot oder gefangen worden sind. Es erfolgt der Befehl, die Kampfaktionen einzustellen. Für die spezialisierten Kampfeinheiten bedeutet das nicht den Rückzug zu den Stützpunkten, da diese viel zu klein für die große Masse der Kämpfer wären. Der Befehl "Kampf einstellen" heißt für die meisten T- und B-Zellen Selbstmord.

Lehren ziehen für die Zukunft

Jetzt kommt wieder die Polizei zum Einsatz, die Makrophagen räumen das Schlachtfeld auf und der Neuaufbau von zerstörtem Körpergewebe beginnt. Dafür sind wiederum sehr viele Stoffe nötig, vor allem Eiweiß mit seinen Aminosäuren. Hier nimmt die Aminosäure Lysin eine zentrale Rolle ein. Diese ist bei der Bekämpfung einer Krankheit bzw. Gesundung eines Huhnes zu beachten. Natürlich sind auch die Vitamine von immenser Bedeutung, da sie den Transport des neuen Baumaterials sicherstellen. Fehlen die Vitamine in der notwendigen Menge, läuft alles nur schleppend. Und damit die Vitamine ihrerseits Baumaterial befördern können, brauchen sie als Helfer sekundäre Pflanzenstoffe. Also auch hier ist eine reichhaltige Grünzeugfütterung das A und 0 in der Hühnerhaltung. Nicht zu vergessen sind dabei die Mineralien, die ebenfalls übers Grünfutter in den Hühnerorganismus gelangen.

Futtermittel sollten ohne Zusatzstoffe sein, die das Immunsystem negativ beeinflussen.

Der Hühnerorganismus hat aus dem Virusangriff Lehren gezogen. Er war unvorbereitet gewesen und musste deshalb einen langen Atem zeigen, um letztlich zu siegen. Die Verluste waren enorm und der Organismus ist insgesamt geschwächt worden, wodurch andere Feinde bei schnellen Übergriffen nach oder während der Schlacht gegen den Virus Aussicht auf Erfolg haben können. Aus diesem Grund behält der Körper immer eine gewisse Zahl an Truppen zurück, um bei Auftreten eines neuen Feindes ebenfalls wieder spezifische T- und B-Zellen bzw. Antikörper aufstellen zu können. Eine schnelle Gesundung ist wichtig sowie das Erarbeiten einer sofortigen Gegenstrategie, wenn der unterlegene Virustyp ein wiederholtes Mal seinen Angriff auf das Haushuhn startet. Aus diesem Grund wird die Information über den Feind in so genannten Gedächtniszellen (Memory-Zellen) gespeichert.

Kommt der gleiche Feind ein zweites Mal, braucht man nicht erst auf dessen Identifikation durch die Makrophagen zu warten, um dann die langwierige Produktion von B-Zellen mit ihren spezifischen Antikörperwaffen anzukurbeln. Sofort kann ohne Zeitverlust eine schlagkräftige Abwehrarmee zuschlagen, da sie genauestens die Virusstrategie kennt. Es kommt jetzt noch zu einem Scharmützel, aber zu keiner ernsthaften Auseinandersetzung mehr.

Impfen und Vitamine

Hierin liegt auch der Sinn des Impfens. Das Haushuhn wird mit einem Virus in geschwächtem Zustand infiziert. Seine Schwäche reicht nicht aus, um dem Huhn ernsthaften Schaden zuzufügen, aber es stellt sich der gleiche Effekt ein wie nach einem harten Kriegsgeschehen. Gedächtniszellen haben die Tricks der Viren gespeichert und können bei einem ernsthaften Angriff dieser Viren sogleich einschreiten und den Feind niederhalten, bevor er erstarkt. Natürlich gelingt dieses nur optimal, wenn der Nachschub an Vitaminen, Mineralien, sekundären Pflanzenstoffen und Nährstoffen bestens ist. Gerade vor, bei und nach einer Impfung ist die Versorgung mit solchen Substanzen besonders wichtig. Funktioniert der Nachschub im Ernstfall nicht, hat man zwar eine Armee, aber diese ist ohne Waffen oder nur mit altem Kampfgerät versorgt. So hat das Abwehrsystem keine große Chance.

Hartes Training

Wie wichtig die Verteidigung für den Organismus ist, erkennt man an den Auswahlkriterien für die Eingreiftruppen in Friedenszeiten. Von den erzeugten, aber noch nicht speziell ausgebildeten T-Zellen, die für erste und meist schon erfolgreiche unspezifische (zelluläre) Abwehr oder die Kommandostände maßgebend sind, bleiben nur etwa 5 Prozent am Leben. Alle anderen haben ganz gezielte Auswahlkriterien nicht bestanden. Ihr Ausbildungslager ist die Thymusdrüse. (Vom "T" der Thymusdrüse leitet sich auch ihre Bezeichnung "T-Lymphozyt" oder"T-Zelle" ab.) Der Körper geht auf Nummer sicher, er kann nur bestens ausgebildete Kämpfer gebrauchen, die einen durchschlagenden Erfolg sicherstellen. Diese Elite verteilt sich in Blut und Lymphe, sie geht teils sozusagen auf Patrouille und wartet vor Ort auf ihren Einsatz. Solche T-Zellen können sehr alt werden, sie unterliegen nicht wie viele andere Zellen einer raschen Erneuerung. Dafür ist der Aufwand ihrer "vollkommenen Ausbildung" einfach zu hoch.

Das Ausbildungslager der B-Zellen sind die Lymphknoten und die Milz. Hergestellt werden die B- und T-Zellen im Knochenmark. Zusammen befinden sie sich verstärkt in den lymphatischen Organen. Hierzu zählen beim Mensch die Milz, Lymphknoten, die Mandeln, die lymphatischen Gewebe der Atemwege und des Darms, die Thymusdrüse und das Knochenmark. Beim Haushuhn und den Vögel ist als spezielles lymphatisches Organ die bereits erwähnte Bursa Fabricii ausgebildet. Für die Herstellung der B-Zellen ist hochwertiges Eiweiß wichtig und die Vermeidung von (potenziellen) giftigen Stoffen. Wer seinen Küken Speisequark (siehe "Power-Futter" in GB 5/2000) oder gekochte Eier verfüttert, hat ein hochwertiges Eiweiß, mit dem das Küken sein Abwehrsystem aufbauen kann.

Kampf gegen Tumore

So wie die Abwehr nach außen gegen Eindringlinge schützt, eliminiert sie auch entartete Zellen, sozusagen vergleichbar mit Gangstern, die immer in einem Staatsgebilde oder in diesem Falle dem Gewebe des Haushuhnes auftreten. Solche Verbrecher versuchen das Gewebe von innen auszuhöhlen. Manchmal gibt es richtige Zusammenschlüsse à la Mafia. Bei den Gangstern handelt es sich um Krebszellen.

Diese entarteten Zellen sind unermüdlich aktiv. Ständig entstehen neue Krebszellen und versuchen sich auszubreiten, sozusagen eine Mafia zu gründen. Das Abwehrsystem eliminiert sie. Voraussetzung ist eine optimale Versorgung des Abwehrsystems mit allen nötigen Stoffen!

Effektive Abfallbeseitigung

Auch passieren durch die Lebensvorgänge im Haushuhn Unfälle, und es gibt Abfallstoffe. Da der Haushuhnorganismus Unmengen an Energie erzeugen muss, finden gewaltige chemische Reaktionen statt mit viel Abfallmaterial. Auch bei der besten Organisation des Abtransportes des Abfalls passieren ständig Unfälle. Diese werden aber ebenfalls durch eine eingespielte Eingreiftruppe eliminiert. Eine Abfallart hat im Fachjargon den Namen "freie Radikale", die aber auch durch die Aufnahme von außen in den Organismus gelangen können. Schwermetalle, die über die Nahrung kommen, gehören auch zu den Abfallprodukten, die eliminiert werden müssen. Zuweilen kommen sie in Abfalldeponien. Aber irgendwann sind diese voll. Deshalb ist ihr Abtransport besser.

In der Einstreu findet das Haushuhn oft wertvolle, aber auch schädigende "Stoffe" fürs Abwehrsystem. Die Kotaufnahme beim Picken in der Einstreu kann wertvoll sein oder ein Fluch, je nach dem Gesundheitszustand des Huhnes.

Um diesen sicherzustellen, ist eine gute Handvoll Stoffen entscheidend: Vitamin C, E und K1 BetaCarotin, Ubichinone, die Aminosäure Cystein, Selen und Zink sowie das vom Körper hergestellte Glutathion. Sie sind u. a. die Grundlage für eine Unschädlichmachung vieler im Hühnerorganismus anfallender oder eingedrungener Abfallstoffe. Von Vitamin Kl und Vitamin C ist bekannt, dass sich beide in ihrer Wirkung unterstützen. Das in der Futtermittelindustrie häufig als Zusatzstoff verwendete, poteriziell giftige Vitamin K3 - das eigentlich Menadion genannt werden muss, da es sich bei ihm um gar kein Vitamin handelt - zerstört den im Hühnerorganismus überaus wichtigen Glutathionspiegel und legt damit die Basis für eine verringerte Abwehrkraft! Darüber hinaus ist Vitamin K, wichtig für die Milz, dem "Trainingslager" für die B-Lymphozyten. Menadion, der häufige Zusatzstoff im industriell hergestellten Fertigfutter, wiederum schädigt die Milz. Nicht nur eine geschwächte Abwehr für Erstinfektionen ist dadurch denkbar, sondern gerade auch für Sekundärinfektionen.

Beim bildlichen Vergleich zwischen der Abwehr des Haushuhnes und der Ordnungskraft im gesellschaftlichen Staat wurde deutlich, dass alles nur dann funktioniert, wenn alle an einem Strang ziehen und der Nachschub sichergestellt ist, ebenfalls die Verteilungsbahnen. Schlechte Straßen verlangsamen zum Beispie den Nachschub im gesellschaftlichen Ernstfall, verkalkte Adern beim Immunsystem. Deshalb gilt es beim Haushuhn, beste Grundlagen für eine optimale Abwehrkraft zu legen. Das gelingt nicht, indem man nur auf die Nährstoffe achtet wie Eiweiße, Kohlehydrate und Fette, sondern auch auf die bereits mehrfach erwähnten Vitamine, Mineralien und sekundären Pflanzenstoffe. Deshalb brauchen Hühner eine ausgewogene Ernährung mit viel Grünzeug und frischem Wasser

Medikamente: oftmals ein Feind

Gibt man Hühnern ohne erkennbaren Grund, sozusagen vorbeugend, Antibiotika, Sulfonamide oder andere Medikamente, so zerstört man damit nicht nur einen Großteil der Vitamine, die für die Abwehrkraft unerlässlich sind, man richtet auch noch Schaden bei gesunden Zellen an. Deshalb dürfen Medikamente nur im notwendigen Ernstfall eingesetzt werden, um dem Abwehrsystem einen zusätzlichen Verteidigungsschub zu geben. Bei den Medikamenten spielt es in diesem Fall keine Rolle, dass auch viele intakte Körperzellen zerstört werden. Es geht hierbei um den Gesamtsieg, um das Oberleben vom Haushuhn.

Bei einer vorbeugenden Medikamentengabe zerstört man keine Feinde des Haushuhnes, sondern nur hühnereigene Zellen. Bei leichten Erkrankungen ist deshalb ebenfalls häufig keine Medikamentengabe erforderlich, sondern höchstens eine Erhöhung der Vitamine und Mineralien sowie sekundären Pflanzenstoffe, damit der Hühnerorganismus in der erhöhten Abwehrproduktion mehr Nachschub erhält, als gemeinhin notwendig ist. Der Organismus wird in aller Regel bei guter Konstitution alleine mit Krankheitserregern fertig. Ein sorgfältiger Tierarzt, der das Wohl des Tieres über den Profit mit Medikamenten stellt, wird dem Züchter stets ein guter Partner im Falle einer Hühnererkrankung sein, zumal es heutzutage immer mehr pflanzliche Medikamente (z. B. sekundäre Pflanzenstoffe) gibt, welche die natürliche Abwehrkraft mit natürlichen Mitteln stärken anstatt mit der chemischen Keule zu einem Rundumschlag auszuholen, zumal sie bei den meisten Viren (nicht zu verwechseln mit anderen Krankheitserregern) gar nicht helfen.

Gegen Pilze gibt es kaum wirksame Medikamente. Um schädliche Pilze in Schach zu halten, ist im Darm eine gut funktionierende Darmflora nötig und ein schlagkräftiges Abwehrsystem. Wird die Darmflora durch Medikamente zerstört, haben Pilze Vorteile und es stellt sich ein Ungleichgewicht zwischen nützlichen und schädlichen Bakterien und Pilzen ein. Aus diesem Grund sollte die Darmflora stets durch Vitamine, wie das Abwehrsystem, gestärkt werden, zumal einige fettlösliche Vitamine auch gegen Pilzgifte vorbeugend wirken. Diese Pilzgifte dringen über die Nahrung stets in den Organismus ein und vermögen das Abwehrsystem zu schwächen. Alles steht und fällt somit mit einer ausgewogenen, optimalen Ernährung.

Michael von Lüttwitz