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Abwehrkraft des Haushuhnes

 

Ob Haushühner gesund bleiben oder krank werden, hängt fast immer von ihrer Abwehrkraft ab . Um sie zu stärken, bedarf es einer optimalen Unterbringung und Fütterung. Viele Stoffe in Grünpflanzen und anderer Kost haben überaus positive Auswirkungen auf die Stärkung der Abwehrkraft. Medikamente, die oft zum vermeintlichen Schutz des Haushuhnes vorbeugend eingesetzt werden, schwächen die Abwehrkraft, weil ihre Nebenwirkungen schädigend auf den gesunden Hühnerorganismus einwirken.

Die Abwehrkraft des Haushuhnes wird von der Perfektion seines Immunsystems bestimmt. Letztlich ist einzig und allein das Immunsystem dafür verantwortlich, ob das Haushuhn krank wird oder gesund bleibt. Mit Stoffen wie zum Beispiel Heilkräutern aus der Natur, kann man das Immunsystem stärken oder mit Giftstoffen schädigen. Dementsprechend arbeitet das Abwehrsystem gut oder schlecht.

Luft, Licht und Einstreu

Um das Immunsystem zu stärken, sollte in der Haltung darauf geachtet werden, dass der Stall hell ist und die Be- und Entlüftung bestens funktionieren. Sind diese Gegebenheiten erfüllt - nämlich Licht und Luft -, dann hat man schon eine solide Grundlage für die Gesundheit der Haushühner. Mit zum Bereich der Be- und Entlüftung gehört die Einstreuqualität. Egal welche Einstreu man verwendet - das traditionelle Laub oder Stroh aus der Natur, die unbehandelten Hobelspäne aus der Schreinerei oder spezielle gepresste Pellets aus Maiskolben -, sie muss immer trocken sein. Wird sie feucht, ist sofortiger Austausch angesagt.

Gerade in der kälteren Jahreszeit ist auch bei bester Bodenisolation und einwandfreier Lüftung des Stalles immer wieder die Gefahr einer feucht werdenden Einstreu gegeben. Man sollte deshalb verstärkt darauf ein Auge werfen. Hühner bringen aus dem Auslauf Schmutz und Nässe mit in den Stall, und der feuchte Kot sowie die feuchte, ausgeatmete Luft sind bei hoher allgemeiner Luftfeuchtigkeit in Herbst und Winter einfach Kriterien, die man nicht immer durch bestes Stallmanagement in den Griff bekommt. Mit Einstreuaustausch kann man aber schnell Abhilfe schaffen.

Kälte schadet den Hühnern nicht. Ein gestärktes Abwehrsystem wird damit spielend fertig. Es wird auch mit feuchtkalter Luft, welche die größte Gefahr für Hühner bedeutet, bestens fertig, wenn die drei Faktoren Licht, Luft und Trockenheit im Haltungsmanagement stimmen. Und unter Luft ist natürlich keine Zugluft, dem Todfeind unserer Haushühner, zu verstehen, sondern Frischluftzufuhr und Abfuhr von verbrauchter Stallluft.

Permanente Angriffe

Man muss wissen, dass das Immunsystem tagein, tagaus, in jeder Sekunde mit einer Unzahl an Krankheitskeimen konfrontiert wird. Dabei ist z. B. nicht nur an Bakterien, Viren oder Pilze zu denken, sondern auch an aggressive Stoffwechselprodukte, die sich ständig im Hühnerkörper bilden. Sie greifen jede Zelle im Hühnerorganismus an. Wie ein permanentes Bombardement schlagen diese aggressiven Verbindungen, man nennt sie auch freie Radikale, millionenfach in jeder Sekunde in die Zellen des Haushuhnes ein. Dank seiner Abwehrkraft kann das Haushuhn diese Einschläge im Vorfeld abwehren oder die Schäden reparieren. Dies geht natürlich nur, wenn das Immunsystem stabil ist. Zu diesem dauernden Krankheitsstress kommen die bereits erwähnten anderen Krankheitserreger wie z. B. Bakterien, Pilze, Einzeller oder Viren.

Alle diese den Organismus belastenden Stoffe und Lebewesen muss das Haushuhn bekämpfen, in jeder Sekunde, Tag und Nacht. Da nutzt es natürlich nichts, wenn das Haushuhn beste Haltungsmöglichkeiten vorfindet, aber keine ordentliche Ernährung hat, die - bildlich gesprochen - im Krieg des Haushuhnorganismus gegen die Krankheitskeime Nach schubmaterial für Reparatur und Gegenschläge liefert.

Gesundheit bedeutet also nicht die Abwesenheit von Krankheitskeimen, sondern die Abwehr von permanent anwesenden Krankheitskeimen. Damit die Abwehr nicht erlahmt, bedarf es der bereits angesprochenen positiven Haltungskriterien und des Nachschubs an Abwehrstoffen bzw. Ausgangsstoffen für die Abwehr. Denn das Huhn kann aus zahlreichen Substanzen, die über die Nahrung zugeführt werden, selbst Abwehrstoffe bilden.

Medikamente

Für die Gesundheit der Tiere kann auch ein Tierarzt nichts machen und schon gar nicht die Medikamente der Pharmaindustrie. Die Gesundheit bestimmt einzig und allein die Abwehrkraft des Haushuhnes. Natürlich kann man bei einem schlechten Management ein angeschlagenes Abwehrsystem, das total überfordert wurde, durch bestimmte Medikamente unterstützen, damit es wieder auf die Beine kommt und mit Hilfe des Medikamentes der Hauptkrankheitskeim in Schach gehalten wird. Dann muss das Abwehrsystem aber wieder aus eigener Kraft arbeiten. Und es muss die Nebenwirkungen des Medikamentes zusätzlich abbauen. In diesem Fall sind die Nebenwirkungen aber das kleinere Übel, denn das Medikament muss erst einmal helfen, den in Obermacht anzutreffenden Hauptpeiniger schachmatt zu setzen. Wurde ein falsches Medikament eingesetzt, kann man sich leicht an den Fingern einer Hand abzählen, weich katastrophale Wirkung das für den Hühnerorganismus hat.

Kommen parallel und nach dem krankheitsspezifischen Medikamenteneinsatz kein ordentliches Haltungsmanagement und Fütterungssystem begleitend hinzu, wird sich diese oder jene Krankheit ständig neu einstellen, ständiger Medikamenteneinsatz wird nötig, und irgendwann ist das Haushuhn ein Medikamenten-Junkie, für den keine Rettung mehr möglich ist, denn letztlich haben die Medikamente die Leber und Nieren geschädigt, ebenso anderes Gewebe, eventuell sogar mutagen, also erbgutverändernd gewirkt. Nicht zuletzt bewirken viele Medikamente auch die Bildung freier Radikaler, die das Haushuhn generell belasten.

Vitamine

Medikamente sind großteils Vitamin-Killer. Gerade aber die Vitamine stellen eine Hauptgruppe der Stoffe, die unentbehrlich sind für die Stärkung des Immunsystems. Ohne Vitamine bricht das Immunsystem zusammen, es wird überrannt von den Krankheitskeimen. Deshalb ist eine permanente Zufuhr von Vitaminen in hoher Dosis das A und 0 für die Stärkung der Abwehrkraft des Huhnes. Vitamine haben mannigfaltige Funktionen im Organismus. Sie reparieren z. B. Schäden in den Zellen, die durch freie Radikale entstanden sind, und sorgen bereits Zuvor dafür, dass die freien Radikalen erst gar keinen Schaden anrichten können.

Viele Vitamine haben in dieser Abwehr ganz spezielle Aufgaben, die von keinem anderen Vitamin übernommen werden können. Natürlich geht der Hühnerorganismus auf Nummer Sicher und baut immer noch eine Sicherung ein: Fehlt ein Stoff in der Immunabwehr, übernimmt ein anderer seine Funktion, allerdings ist die Effektivität bedeutend geringer. Und dann darf man auch nicht vergessen, dass sich die Vitamine gegenseitig in ihrer Wirkung unterstützen und schützen. Fehlt auch nur ein Vitamin, ist die gesamte Wirkung der anderen Vitamine reduziert.

Vitamine sind aber nur ein Aspekt. Die Mineralstoffe, also Mengen- und vor allem auch Spurenelemente, sind überaus wichtig in der Stärkung der Abwehrkraft. Wie die Vitamine unterstützen sie sich gegenseitig. Es herrscht ein ausgeklügeltes Wechselspiel unter ihnen, und fehlt nur ein Stoff oder ist er nur unterrepräsentiert, ist das gesamte Wechselspiel in Mitleidenschaft gezogen. Mineralien arbeiten aber auch mit den Vitaminen zusammen. Dadurch wird die Abwehrkraft nochmals dynamisiert.

Eine geradezu fast unüberwindliche Allianz gegen Krankheitskeime stellen die sekundären Pflanzenstoffe dar, worunter auch viele vitaminähnliche Stoffe zu finden sind. In Zusammenarbeit mit den Mineralien und Vitaminen haben Krankheiten fast keine Chance mehr. Dieses Dreigestirn -Vitamine, sekundäre Pflanzenstoffe und Mineralien - ist in der Ernährung der Hauptakteur im Kampf gegen Krankheitskeime. Natürlich ist als Basis eine ausgewogene Kohlehydrat-, Fett- und Eiweißversorgung wichtig, wobei bei den Eiweißen vor allem den Aminosäuren überaus zentrale Bedeutung beigemessen werden muss. Man denke zum Beispiel nur an die Aminosäure Lysin, die von Bakterien und Viren oder Krebszellen zerstörtes Bindegewebe wieder flickt und damit der Ausbreitung von Krankheitskeimen den Garaus macht oder sie verhindert. Vergessen darf man auch nicht die Enzyme, Hormone und andere Stoffe, die jedoch vom Körper selbst gebildet werden, wenn die ernährungsmäßige Versorgung stimmt.

Vorbeugender Medikamenteneinsatz?

Wer meint, vorbeugend Medikamente - zum Beispiel Antibiotika - füttern zu müssen, den könnte man im Grunde als einen Tierquäler bezeichnen. Denn er schädigt den gesunden Hühnerorganismus bewusst durch belastende Stoffe, züchtet resistente Bakterien, gegen die das Antibiotika dann nicht mehr wirkt, und zerstört einen Großteil des Vitaminhaushalts des Huhnes. Er tut damit nur den Krankheitskeimen einen Gefallen, nicht aber der Abwehrkraft des Haushuhnes.

Medikamente dürfen nur im Krankheitsfall eingesetzt werden. Normalerweise tritt dieser bei ordentlichem Haltungsmanagement und richtiger Fütterung nicht ein. Kam jedoch einer der gesundheitsfördernden Faktoren zu kurz, kann es passieren, dass Krankheitskeime die Oberhand gewinnen. Dann, und nur dann, setzt man ganz gezielt ein Medikament ein, um den speziellen Krankheitskeim in seiner großen Anzahl zu reduzieren. Parallel muss dabei immer der negative Haltungsfaktor ausgeschaltet werden und eine Vitaminversorgung stattfinden, damit der Hühnerorganismus nach medikamentöser Bekämpfung des Krankheitskeimes wieder auf die Beine kommt und auch bleibt. Selbstverständlich dürfen auch nicht die Mineralien und sekundären Pflanzenstoffe fehlen.

Medikamente in der Hand eines medizinischen Laien können ungefähr so wie das Rasiermesser in der Hand eines Schimpansen sein. Möchten Sie von diesem rasiert werden? Nein, unsere Haushühner möchten auch nicht grundlos mit Medikamenten vollgepumpt werden! Medikamentenmissbrauch in der Hühnerhaltung sollte tabu sein, denn er bringt nur etwas der Pharmaindustrie, nicht aber dem Huhn.

Impfung

Es gibt aber auch Krankheiten, gegen die alle optimalen Haltungs- und Ernährungsbedingungen nichts bringen. Das ist der Fall, wenn ein unbekanntes Virus auftritt, gegen welches das Immunsystem keine Abwehrkräfte besitzt. Es kann solche aufbauen, aber meistens ist es bis dahin schon von den Krankheitskeimen überrannt. Hier helfen in aller Regel auch keine Medikamente. Lediglich eine Impfung kann vorbeugend Schutz schaffen, denn durch die Impfung kann der Hühnerorganismus ganz spezielle Abwehrkräfte entwickeln, um diese Krankheit zu bekämpfen, und kann so selbst einen aktiven Schutz aufbauen. Natürlich braucht er auch in diesem Fall eine grundsolide Abwehrkraft, denn sonst nutzt ihm die Impfung unter Umständen nicht viel.

Die Abwehrkraft lässt sich gut am Beispiel der vielen über die Nahrung aufgenommenen Schwermetalle zeigen. Sie richten vehemente Schäden im Hühnerorganismus an. Mineralien jedoch verhindern oft schon im Vorfeld, dass die Schwermetalle überhaupt gefährlich werden können. So entsorgt der Mineralstoff Selen Blei, Cadmium und Quecksilber, gleichermaßen wirksam ist Zink. Vitamine verhindern, dass viele Schimmelpilzgifte, die ständig in der Hühnernahrung zu finden sind, eine gefährliche Wirkung an den Tag legen können. Mangan baut in der Leber Umweltgifte ab. Natürlich ist alles auch eine Frage der Dosis. Gebe ich hochgradig pilzbelastetes Futter, so reicht zuweilen eine normalerweise ausreichende Vitaminkonzentration nicht mehr aus. Der Züchter muss also nicht nur darauf schauen, dass seine Haltungs- und Fütterungsfaktoren die Gesundheit stärken, er muss auch darauf achten, dass diese die Gesundheit nicht unnötig schwächen. Denn die vehemente Bekämpfung eines Krankheitskeimes bedeutet immer den Verbrauch vieler Substanzen. Diese können dann an einer anderen Stelle fehlen, und schon kann sich dort eine Krankheit etablieren und ausbreiten.

Fazit

Aus diesem Grund ist der Züchter - um es nochmals zu wiederholen - bestens beraten, seinen Tieren optimale Haltungsbedingungen auf der einen Seite und optimale Fütterungsbedingungen auf der anderen Seite zu bieten. Dabei darf Grünfutter in hohen Mengen und von unterschiedlicher Zusammensetzung nie fehlen, denn neben Vitaminen und Mineralien enthalten vorwiegend diese die unentbehrlichen sekundären Pflanzenstoffe, die für die Abwehrkraft überaus wichtig sind. Medikamente sind als ein vorbeugender Schutz ein Tabu, es sei denn, man will seinen Geldbeutel erleichtern und die Haushühner unnötig gefährden. In diesem Fall dürfte man zugleich gegen das Tierschutzgesetz verstoßen, denn man fügt dem Tier unnötigerweise Schäden, vielleicht sogar Schmerzen und Leiden zu. Es fragt sich, weshalb das zuständige Ministerium hier keine Vorstöße unternimmt. In anderen Gebieten ist es ja auch überaktiv, zuweilen zu Ungunsten des Haushuhnes - zum Beispiel bei ungerechtfertigten so genannten Qualzuchtvorwürfen -, warum dann nicht hier zugunsten des Haushuhnes?

Michael von Lüttwitz