Dieser Fachartikel wurde uns mit freundlicher Genehmigung aus der  Fachzeitschrift

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Hühner gehen in die Mauser

 

Die Mauser ist für Hühner eine heikle Zeit. Das gesamte Federkleid wird erneuert. Das bedarf einer enormen Stoffwechselleistung. Viele Leistungen werden reduziert, die Eierproduktion wird gar eingestellt, um für die Mauser genügend Energie aufzubringen. Der Organismus arbeitet hauptsächlich für ein schnelles und vor allem gutes neues Federkleid.

Warum soviel Aufwand? Wäre es nicht besser die Mauser würde entfallen? Sicherlich nicht, denn die Evolution macht keine Fehler bei Abläufen, die sich über Jahrhunderte und Jahrtausende bewährt haben! Ein mangelhaftes Federkleid kann die wichtige Wärmeisolierung nicht mehr garantieren. Es kann den Körper vor Verletzungen und Nässe nicht mehr bestens schützen. Ein nicht vollständig ausgeprägtes Federwerk macht langsam und damit anfälliger für Beutegreifer. Die Mauser ist alljährlich notwendig, damit alles optimal funktionieren kann.

Sicher, in der Haushuhnhaltung ist nicht mehr all das notwendig, was in der freien Natur nötig ist. Das weiß aber der genetisch fixierte Stoffwechsel nicht. Für ihn hat es oberste Priorität, dass die Mauser so abläuft wie bei den wilden Vorfahren.

Einspruch wird der eine oder andere sagen. Bei mir läuft die Mauser nicht mehr so ab wie in der Natur. Sie dauert länger, manche Hühner lassen sogar ein paar alte Federn stehen. Diesem Veto wird stattgegeben, denn bei diesen Züchtern funktioniert die Ernährung der Hühner nicht mehr richtig.

Hühner sind keine Vegetarier. Hühner sind Allesfresser. Sie suchen sich bei Freilauf Würmer, Weichtiere, Insekten, Spinnen und jede Menge Larven. Sie plündern ein gefundenes Mäusenest genauso wie sie im Mittelmeerraum Eidechsenkost nicht verschmähen, wenn sie eine erwischen. Diese Kost hat eine andere

Zusammensetzung wie die pflanzliche, welche gemeinhin aus Sämereien, Grünzeug, Blüten (Knospen) und Beeren besteht.

Beides, pflanzliches und tierisches Eiweiß, ist wichtig. Das tierische Eiweiß liefert in hohem Maße die Aminosäure Methionin. Aus ihr stellt das Huhn die Aminosäure Cystein bzw. Cystin her, weiche für die Mauser von aller größter Bedeutung ist. In der tierischen, aber auch in der pflanzlichen Kost findet das Huhn viel Biotin, auch Vitamin H genannt. Es ist an der Hornbildung maßgeblich beteiligt. Federn sind Horngebilde!


Schmale, verfranste Federn können auf eine Mangelversorgung in der Mauserzeit hinweisen

Im Hühnerhof können sich die Hühner nicht die Nahrung suchen, die sie brauchen. Sie müssen mit der auskommen, die ihnen der Züchter füttert. Sind hier wichtige Stoffe, wie zum Beispiel die Aminosäure Methionin, unterrepräsentiert, läuft alles auf Sparflamme. Federn werden schmal statt breit, es entstehen Lücken und andere Schäden in der Fahne oder die Feder bleibt kürzer.

Vitamine wirken auf viele Stoffwechselprozesse direkt oder als Katalysatoren. Sind zu wenig Vitamine vorhanden, werden manche Stoffe in zu geringer Menge gebildet, das Federkleid kann sich nicht bestens entwickeln. Deshalb muss der Züchter in der Mauser alles unternehmen, um eine optimale Ernährung zu garantieren.

Der Bedarfshandel hat hier natürlich Präparate zur Hand. So kann man als Mauserhilfe Methionin ins Trinkwasser geben. Methionin ist wie Cystein schwefelhaltig und hat deshalb keinen angenehmen Geruch. Hühner mögen eine solche Brühe nicht trinken. Man merke sich immer: Der Züchter muss sich fragen, ob er das Trinkwasser seiner Hühner trinken würde. Wenn nicht, dann soll er es auch nicht seinen Hühnern zumuten. Letztlich würden sie weniger trinken, und das wäre genau das Verkehrte bei der Mauser. Frisches Trinkwasser ist stets wichtig. Auf zwei aufeinanderfolgende Tage kann man auch Tee geben.

Hühner in der Mauser bekommen ihre Körner immer in gekeimtem Zustand. Hierdurch werden die Aminosäuren besser aufgeschlossen und die Vitamine stehen in viel höherer Konzentration zur Verfügung. Das ist ganz wichtig für die Tiere. Dazu gibt es immer reichlich tierische Kost. Mit Garnelen kann man diese gut verabreichen.

Wohl dem, der eine Mehlwurmzucht hat. Bestens aufgezogene Mehlwümer sind nicht nur reich an wertvollen Aminosäuren, sondern auch an Vitaminen und anderen Biostoffen. In der Knochenquetsche (im Bedarfshandel erhältlich) zerdrückte Knochen mit Fleischresten vom Mittagstisch liefern beste Eiweißbausteine.

Wer Keimgetreide mit Sonnenblumenöl versetzt (auf 50 Gramm Körner ein Gramm Öl), der führt wichtige Fettsäuren dem Organismus zu. Hierüber kann man auch Bierhefe geben, die nicht nur zahlreiche BVitamine enthält, sondern auch das wertvolle Methionin. Aber auch Haferflocken und Luzerngrünmehl (oder zerkleinerte Luzerne-Cops) sind gute Methioninquellen.

Damit der in der Mauser anfällige Organismus sich gegen zahlreiche Krankheitserreger bestens zur Wehr setzen kann, damit diese den Mauserablauf nicht stören, erhalten Hühner in verstärktem Maße Zwiebeln und Knoblauch. Von den Taubenzüchtern ist bekannt, dass sie aus Zwiebeln (mit zerkleinerter Schale), Knoblauch, Spitzwegerich, Ringelblumen, Johanniskraut und Honig im Mixer (der Honig kommt anschließend hinzu) eine wirkungsvolle Gesundheitspaste herstellen, weiche die Tauben auf natürliche Weise gesund hält. Was für die Taube gut ist, ist auch fürs Huhn gut!

Selbstverständlich darf das Grünfutter nie zu kurz kommen. Die Brennnessel findet stets ihren Einsatz. Ihr hoher Vitamin-K1-Gehalt beugt Blutungen vor, welche Parasiten im Körperinneren immer wieder verursachen können, und hält Schimmelpilzgifte der so genannten Cumarinklasse, die mit der Nahrung häufig in den Körper gelangen, an der kurzen Leine. Das ist wichtig, denn solche Schadfunktionen würden die Mauser stören. Löwenzahnblätter mit ihrem Milchsaft behindern Kokzidien in ihrer Vermehrung und liefern wertvolle Biostoffe. Andere Grünfutterpflanzen wirken in anderer Hinsicht überaus gesundheitsförderlich. Die Grünfutterpalette kann nie groß genug sein in der Mauser. In Grünpflanzen sind so genannte sekundäre Pflanzenstoffe enthalten, die den gesamten Stoffwechsel während der Mauser nachhaltig fördern.

Auch Früchte und Beeren finden jetzt verstärkt ihren Einsatz. Der Apfel, ein beliebtes Hühnerobst, hat viel Biotin, weiches für die Mauser wichtig ist. Aber auch Sämereien sind jetzt wichtig. Ein Kanarien- oder Waldvogelfutter darf ruhig dem täglichen Futter in geringer, aber permanenter Form zugesetzt werden. Brennnesselsamen liefern ausgezeichnete, mehrfach ungesättigte Fettsäuren und Biostoffe. Diese Stoffe erhöhen die Effektivität des Mauserstoffwechsels nachhaltig und üben einen Glanzeffekt aufs Gefieder aus. Sie stärken das Verdauungssystem, das die Grundlage für eine gute Nährstoffaufnahme liefert, und stärken das Immunsystem, das in der Mauser Höchstleistungen bringen muss.

Wer Weichfutter füttert, kann den erwähnten Tauben-Mix mit untermischen, genauso wie die wertvollen Sämereien. Fügt der Züchter hier noch Milchpulver unters Futter, hat er eine gute Methioninquelle. Auch die Bierhefe lässt sich bestens verarbeiten und Grünfutter ist ebenfalls untermischbar. Auch geriebener Meerrettich, der vorzüglich die Hühnerabwehrkraft stärkt und viel Vitamin C für den Stoffwechsel liefert, ist übers Weichfutter verabreichbar.

Ist die Aminosäure Lysin unterrepräsentiert, kann es schnell zu Schilf in der Feder kommen. Wer Bierhefe füttert, hat mit einem Mangel an Lysin keine Probleme. Wer Weichfutter gibt, sollte auch Weizenkeime untermischen. Selbstverständlich ist jede tierische Kost eine gute Lysinquelle. Methionin und Lysin gelten gemeinhin im Hühnerfutter als die limitierenden Eiweißbausteine. Durch Keimgetreide kann die Lysinquelle ebenfalls erhöht werden.

Natürlich sollte man in der Mauser auch ein ausgewogenes Mineralfuttergemisch verfüttern. Das kann man unter ölbenetzte Körner mischen, genauso wie unters Weichfutter oder in Schrotfutter (egal ob selbst hergestellt oder als Fertigfuttermittel gekauft) einmischen. Wer im Bedarfshandel Algenmehl bekommt, sollte diese wertvolle Futterquelle nutzen.

Wer seine Hühner ausgewogen füttert und darauf achtet, dass die limitierenden Aminosäuren Methionin und Lysin sowie das in konzentriertem Maße benötigte Biotin enthalten sind, daneben Grünfutter, Beeren und Früchte, Sämereien, tierisches Eiweiß und Bierhefe nicht zu kurz kommen, der hat eine gute Grundlage. Natürlich ist diese Grundlage durch ' einen Mehraufwand an Arbeit in noch bessere Bereiche zu rücken. Wer meint, mit einem so genannten Alleinfutter aus dem Futterhandel eine Grundlage für ein optimales Federkleid zu haben, der hat sich getäuscht.

Die Mauser beginnt gemeinhin in folgender Reihenfolge: Kopf - Hals - Brust - Körper - Flügel - Schwanz. Schlechten Legerinnen wird nachgesagt, dass sie bereits im Juli/August in die Mauser gehen, während gute Legerinnen erst im November mausern sollen. Gute Legerinnen sollen auch sehr schnell mausern. Ob's stimmt, kann jeder selbst überprüfen.

Durch die stufenweise Mauser wird ein vertretbares Verhältnis zwischen Federverlust und Federerneuerung eingehalten. In der Hühnerhaltung kommt es aber immer wieder vor, dass ein Huhn eine Vollmauser zeigt, also nicht den zuvor aufgeführten Ablauf der Mauserreihenfolge. Neben der genetisch bedingten, aber stoffwechselmäßig umgesetzten Mauser können ein Stallwechsel (Stress), ein krasser Witterungsumschlag (Stress) oder ein radikaler Futterwechsel (Stress) die Mauser auslösen.

Eine so genannte Halsmauser tritt vor allem bei Junghennen ein. Ein zu eiweißreiches Futter hat die noch nicht entwickelte Henne zum verfrühten Legen getrieben. Die Halsmauser führt zu einer kurzen Unterbrechung der verfrühten Legephase. Eine sorgfältige Fütterung mit nicht übertrieben hohem Eiweißgehalt (Proteingehalt) verhindert eine Halsmauser. Es ist auch darauf zu achten, dass Stressfaktoren unterbleiben. Wer Junghennen hat, die frühzeitig legen, und versuchen möchte, die Halsmauser zu verhindern, der sollte auf alle Fälle leistungsstark weiterfüttern und darauf achten, dass genügend Futter aufgenommen wird. Jede Eiweißreduzierung oder Verringerung der Futteraufnahme würde die Halsmauser fördern. Die Halsmauser kommt in aller Regel bei Frühbruten vor.

Kommen frühreife Junghennen mit dem Legebeginn in die sommerliche Hitze, so reduziert sich natürlicherweise die Nahrungsaufnahme, weil die Hitze den Appetit mindert und den Durst steigert. Aus diesem Grund sollte stets frisches, klares, sauberes Wasser zur Verfügung stehen. Zugleich muss der Appetit gefördert werden, damit die Nahrungsaufnahme in der notwendigen Menge aufrecht erhalten wird. Wer Schrotfutter füttert, rührt dieses feuchtkrümelig an. Das erhöht die Fressbereitschaft. Eiweißreiches Weichfutter mit seinem hohen Wassergehalt ist positiv in dieser Zeitphase.

Entzieht man den Tieren für kurze Zeit Wasser und Futter (enormer Stress), erfolgt eine so genannte Zwangsmauser. Durch Lichtentzug kann die Zwangsmauser intensiviert werden. Sinn einer solchen Maßnahme ist die zeitgleiche Einleitung der Mauser für die gesamte Herde. In aller Regel verläuft eine derartige Mauser schnell, sofern alle notwendigen Nährstoffe in ausreichendem Maße zur Verfügung stehen. Der erhöhte Stoffwechselumsatz bei der Federbildung wird nur zu einem Teil auf die Bildung von Federsubstanz bezogen, in hohem Maße trägt die erhöhte Tätigkeit der Schilddrüse dazu bei. Schilddrüsenhormon hat einen gewichtigen Anteil an der Mauser bei gleichzeitiger Einstellung der Legetätigkeit. Auch das Geschlechtshormon Progesteron liefert einen Beitrag zur Mauser.

Interessanterweise verschlechtert sich mit zunehmender Legedauer die Eischalenquaiität. Unter anderem erniedrigt sich die Bruchfestigkeit. Nach der Mauser mit der einhergehenden Regeneration der Legetätigkeit sind die fehlerhaften Eischalenbeschaffenheiten nicht mehr vorhanden.

Michael von Lüttwitz